Grundzüge der Petrographie und Formationslehre.
Zur Abfassung der folgenden»Grundzüge etc.« wurde ich vor zwei Jahren durch den Umstand veranlasst, dass in Koppe's»Lehrbuch der Naturgeschichte«, welches am hiesigen Gymnasium eingeführt ist, die Geognosie so gut wie gar keinen Platz gefunden hat, während sie m. E. für die allgemein-wissenschaftliche Ausbildung der Schüler von mindestens ebenso grosser Wichtigkeit ist als die specielle Mineralogie, und durch blosse Einstreuung von geognostischen Notizen in den mineralogischen Unterricht nicht zur gebührenden Geltung kommen kann. Um das zeitraubende, streng genommen nicht einmal zulässige Dicticren für die Folge zu ersparen und meine Schüler ohne erhebliche Kosten in den Besitz einer schriftlichen Grundlage für den Unterricht zu setzen, habe ich gern die Gelegenheit zur Drucklegung des Manuscripts als Programmbeilage ergriffen.
Die Herren Fachcollegen, welchhe das folgende einer genaueren Durchsicht unter- ziehen, wollen darin zugleich an einem concreten Probestück erkennen, wie nach meiner Ansicht ein Leitfaden für den naturgeschichtlichen Gymnasialunterricht beschaffen sein muss. Die Grundsätze, von denen ich hiebei ausgehe, mögen hier mit kurzen Worten dargelegt werden.
Der Unterricht in der beschreibenden Naturkunde muss sich auf Anschauung stützen, die auf der unteren Unterrichtstufe(Beschreibung einzelner Naturkörper, in VI., V., IV.) lediglich durch das lebendige Wort des Lehrers zu leiten und durch dessen Erzählungen zu vervollständigen ist. Daher ist auf dieser Stufe ein Leitfaden in der Hand der Schüler völlig entbehrlich“*), ja er kann sogar schädlich wirken, indem er manche Schüler zu der falschen Meinung verleitet, sie könnten ja ihr Pensum daheim aus dem Buche auswendig lernen und brauchten darum in der Schule nicht so scharf Acht zu geben. Damit soll keineswegs gesagt sein, dass die Schüler kein solches zu Hause gebrauchen dürften; aber der Lehrer soll darauf keine Rücksicht nehmen.
Anders gestaltet sich die Sache auf der oberen Stufe(III. und II.), wo neben fort- gesetzter Anschauung und Einzelbeschreibung die systematische Uebersicht der Natur- körper Platz greifen muss. Hier kommt der Lehrer häufiger in die Lage auf früher dagewesenes Bezug zu nehmen, kann auch nicht verlangen, dass die Schüler ohne feste Anhaltspunkte für ihr Gedächtnis das systematische Gerippe jederzeit gegenwärtig haben.
Ein solcher Anhaltspunkt, aber auch weiter nichts, soll der gedruckte Leitfaden sein; er soll also nicht, wie manche naturgeschichtliche Lehrbücher»auch zum Selbst- unterricht« geschrieben sein— Selbstunterricht und Schüler sind eben Begriffe, die sich
*) Allenfalls aus der botanischen Terminologie sind den Schülern ein paar kurze Notizen zu fortwährendem Gebrauch zu dictieren.


