Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Hersfeld von 1817 - 1876 / von Philipp Hafner
Entstehung
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Vergleicht man diesen Lehrplan mit der früher bestehenden Lehrverfassung, so fült zunächst in die Augen die stärkere Betonung des Lateinischen und Griechischen. Schwerere Sehrittsteller der römischen Litteratur sollte der Schüler der oberen Klassen verstehen und zich mündlieh und schrittlich in der lateinischen Sprache ausdrüeken können, zu welehem Zwecke den schon bestehenden Ubersetzungen aus dem Deutschen solche aus dem Grie- chischen und freie Ausarbeitungen hinzutraten. Und im Griechischen, worin bisher nur ainige Lobensbeschreibungen des Plutarch sowie das eine oder andere Buch Homers gelesen worden Maren, sallten von jetzt an Plato, Xenophon, Iosias, Thubydides, Domoathenes, Icriker und Tragiker nach der Chrestomathie von Jacobs vorgelegt werden, und jetat eum ersten Male wurden Übersetzungen aus dem Deutschen ins Griechische we geschrieben. Der Charakter der Gelehrtenschule, der dem Herstelder Gymmasium ja niemals gaus vorloren gegangen war, trat wiedder mehr in den Vordergrund, und so wurde aueh gleich im Beginn des Lehuplans als Zweck, Norauf in der Anstalt hingearbeitet werden soll, be- acichnet Eriehung des AMlenschen und allgemeine Grundlegung der wissen- sehaftlichen Bildung. Zur Erreichung dieses Zweckes sollen die Lehrgegenstünde teins gemeinnüteige, teils solehe sein, welehe insbesondere zur Bildung des künf. aigen Gelehrton erfordorlien sinde-. Dem entspruch aueh die bald erfolgende Erhähung dor lateinischen Wochenstunden auf 10 in jeder Klasse. Daneben vorgaß man mieht, di eriehliche Seite des Unterrichts hervorzuheben. Immer ging dasStreben micht sowohl dahin. Kenntnisse einzupfropfen, als vielmehr die Geister zu wecken, d'e jungen Gemüter mit inren Krüften bebaunt zu machen und sie dahin zu führen, dieseiben zmeckmülig ge- hrauchen zu lernen, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was not tut, den Plei u regeln und das Bestrebungsvermägen auf das zu richten, was das Höchste iste!) An der Sprache und Gedankenbidung der Alten sollte die Jugend den Geist schulen, an ihren Rürgertugenden sich heranbilden, an ihrem Gemeinsinn, un ihrem Heldenmut sich erhebe Non der Lektüre der griochischen und late3inischen Klassiker erwartete man auch, dab sie die Günglinxe wappne nieht nur gegen den Obskurantismus und gegen die mystischen Ver- irrungen eines Jakob Böhme unct einer Prau v. Kridener, sondern auch gegen die Lok- kungen der römischen Kirche, wie der Kollaborator F. K. Th. Piderit in einer pesonders gogon Klaus Harms geriehteten Ahhandlung hervorhob, der die Beschäftigung mit den Klassikern aut den Gymmasien als die Cuelle des relgiösen Niedergangs bezeiehnet hutte.

Noch mehr wurde der Churabter der Gelehrtenschule betont, als auf Antrag des abademischon Senates der Uuixersitit Marburg durch Kurfürstl. Verordnung vom 11. April 1820 die Maturitütsprüfung eingeführt wurde.

Bei dem Nlaturitäts-Rxamen sollte nach dieser Verordnung auf 4 Stleke vorzlglieh Rüeksieht genommen werden, nämlich I. alte Sprachen, 2. deutschen Stil, 3. Mathematik und 4. Geschichte. Die Prüfung zerfiel in eine schriftliche und eine mündliche. Zur sehriftlichen Prüfung gehörte 1. eine Obersetzung aus dem Deutschen in das Grechische und eine solehe aus dem Griechisehen ins Deatsche(oder ins lateinische), lettere mit Hülfsmittein, 2. eine Uebersetzung aus einem deutschen Schriftsteller ins Iatei-

) OreerProgmmm 1828 S. 1. ¹) Nlerbst⸗Programm 1823.