Aufsatz 
Festschrift zur Einweihungs-Feier des neuen Gebäudes für die Oberrealschule Marburg a. d. Lahn
Entstehung
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Es ist vielleicht ein Unglück für die sogenannten Reallehranstalten, dass sie die Bezeichnungreal angenommen haben; denn nur zu häufig ist der Begriffrealistisch mit materialistisch verwechselt worden, und manchmal geschieht es noch jetzt. Deshalb kann nicht scharf und oft genug betont werden, dass auf dem Gebiete des höheren Schulwesens demRealismus nicht etwa derHumanismus oder derIdealismus gegenübersteht, sondern einzig und allein derNominalismus oderVerbalismus. Ein Blick in die neuere Schul- geschichte lehrt dies: durch die neue Art von Schulen sollten nicht nur Worte und Namen. sondern auch Dinge gelehrt werden, und deshalb nannte man sie Realschulen. Der freilich unschöne Namehöhere Bürgerschulen, den die Berliner Realschulen sich als Nebenbezeich- nung noch erhalten haben, bezeichnete deshalb das Wesen dieser Anstalten viel besser. Jedes Gymnasium wird sich mit Recht dagegen verwahren, in einem Gegensatze zu diesem Realis- mus zu stehen, der sich am klarsten in einer schon 1614 erschienenen Schrift ausspricht. Worüber ich mich oft gewundert habe, so heisst es dort,ist dies, dass jemand, der sich eines einigermassen eleganten und treffenden Ausdrucks befleissigt, spottweise von der Jugend, ja von Lehrern der Jugend, Philologus, Criticus, Grammaticus und mit einem Worte: Verbalis genannt wird; sich selbst aber nennen sie mit einem neuen Worte: Reales, als wenn sie sich einzig mit den Dingen abgäben, die andern aber, nur mit der Sprache beschäftigt, sich nicht gleichmässig um Kenntnis der Sachen bekümmerten.

Hoffen wir, dass sich die richtige Erkenntnis von dem Wesen der Oberrealschulen immer mehr Bahn bricht! Wir sind berechtigt mit zuversichtlicher Hoffnung in die Zukunft zu schauen, da ja von massgebender Stelle an gewichtigem Orte die Worte ausgesprochen sind: Wir sind der Ansicht, dass es nicht ratsam ist, die realistischen Schulen, also Realgvym- nasium und Oberrealschule, in ihrer Entwicklung durch Vorenthaltung von entsprechenden Berechtigungen zu hemmen, und da ja auch die Stimmen, sowohl auf gymnasialer*, wie auf anderer** Seite, sich immer mehren, die einer gleichen Wertschätzung und einer gleichen Berechtigung das Wort reden. Möge noch manche beengende Schranke fallen, damit unsre Anstalt sich zu einemdeutschen Gymnasium ausbildet, voll anerkannt und voll berechtigt mit den andern Gymnasien!

Namentlich von Th. Mommsen, Cauer, Reinhardt, Rethwisch und vor allen Matthias. nm Besonders in Aufsätzen des Pädagogischen Archivs, der Zeitschrift für lateinlose höhere Schulen, auch derjenigen für die Reform der höheren Schulen u. a.