Aufsatz 
Beiträge zur körperlichen Erziehung / von Karl Knabe, Max Georg Schmidt und Walter Kürschner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

stechend auch seine Darlegungen in seinem bekannten aus- führlichen Vortrage zu Darmstadt 1909 darüber sind, so kann ich, wie ich offen gestehe, mich doch mit seinem Plane nicht einverstanden erklären. Unsere augenblickliche Kultur ist ungemein verzweigt, ja wohl zersplittert. Das läßt sich durch die Einrichtung der Schulen nicht ändern, vielmehr müssen diese sich danach richten. Die Anlagen der Kinder sind ver- schieden gerichtet, die einen mehr nach der sprachlichen, die anderen mehr nach der naturwissenschaftlichen Seite. Aus diesen Gründen ist es meiner UÜberzeugung nach ein Segen, daß jetzt drei verschiedene Bildungswege mit fast gleichen Rechten der Jugend offen stehen. Es ist nun Sache der Eltern, den für ihr Kind richtigen Weg zu wählen. Freilich ist es schwer, dies schon im 9. Lebensjahre zu erkennen, weshalb ich, beiläufig bemerkt, die Reformschule für richtig halte, die diese Wahl noch einige Jahre hinausschiebt. Die- jenigen Eltern tun nun ein bitteres Unrecht an ihren Kindern, welche die Wahl der Schulart nach anderen Gesichtspunkten als der Beanlagung treffen. Lehrer und Eltern versündigen sich an der Gesundheit der Kinder und laden damit eine schwere Schuld auf sich, wenn sie etwa aus Standes-, Freund- schafts- u. dergl. Rücksichten die Art der höheren Lehranstalt auswählen, ohne zu prüfen, ob die geistige Richtung des Kindes nicht auf eine andere Art hinweist.

Es sei nun gestattet kurz zu schildern, auf welche Weise wir uns bestreben, für die körperliche Ertüchtigung der Schüler zu sorgen.

Zunächst ist es natürlich erforderlich, daß die 3 wöchent- lichen Turnstunden tüchtig ausgenutzt werden. Unsere Turn- halle ist den neueren Anforderungen entsprechend einge- richtet, namentlich sei hervorgehoben, daß der Fußboden mit Linoleum belegt worden ist, wodurch die so ungesunde Staubentwicklung wesentlich vermindert wird; auch dürfen die Schüler nur in Turnschuhen die Halle betreten. Im