Aufsatz 
50 Jahrfeier der Oberrealschule zu Grünberg i. H. : 22.-24. Mai 1926 ; Gedenkblätter / von W. Angelberger
Entstehung
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III. Chronik der Schule.

Das Schuljahr wurde am 23. April mit der Aufnahmeprüfung begonnen. Am folgenden Morgen versammelten sich um 8 Uhr zunächst die Lehrer und Schüler zu einer gemeinsamen Andacht. Im Anschluſs hieran erörterte der Direktor die wichtigsten Bestimmungen der Schul- und Hausordnung. Hierauf nahm der Unterricht seinen Anfang.

Am 23. August unternahmen sämtliche Klassen unter Führung ihrer Ordinarien Ausflüge in den Taunus, den Odenwald, den Hunsrück und an die Lahn.

An einer Fahrt zurWasserkante(Hamburg, Kiel usw.) beteiligten sich aus den vier oberen Klassen 11 Schüler.

Der Sedantag wurde, da der 2. September ein Sonntag war, bereits am vorausgehenden Samstag mit einer Schulfeier begangen, bei der Herr Professor Dr. Roſßsmann über die Be- deutung des Sedantages für das deutsche Volk sprach..

Zur Feier des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs fand am 26. Januar ein Festakt statt, bei dem Herr Professor Dr. Kadesch über das Leben und Schaffen des Mathematikers und Physikers Gaußs sprach. An den Geburts- und Todes- tagen der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. gedachten die Ordinarien in ihren Klassen der beiden Herrscher in entsprechender Weise.

Die Ferien dauerten Ostern vom 7. bis 23. April, Pfingsten vom 2. bis 11. Mai, im Sommer vom 14. Juli bis 13. August, im Herbst vom 30. September bis 11. Oktober, Weih- nachten vom 23. Dezember bis 7. Januar einschl.

Dem Kuratorium gehörten an die Herren: Bürgermeister Heſs(Vorsitzender), Schul- inspektor Müller, Direktor Professor Güth, Direktor Dr. Hofmann, Direktor Professor Dr. Klein als ständige, sowie die Herren Stadträte Bickel, Hees, Baurat Winter und die Stadtverordneten Justizrat Dr. Alberti, Dr. Dreyer, Esch und Geh. Sanitätsrat Dr. Pagenstecher als gewählte Mitglieder.

Herr Professor Deubner erkrankte gegen Ende des Schuljahres 1905/06, sodaſs er sich veranlaſst sah, zunächst um einen halbjährigen Urlaub zu bitten, der aber dann während dieses ganzen Schuljahres andauerte. Zu Ostern wird er in den Ruhestand treten, nachdem er seit Herbst 1883 an der Anstalt als Oberlehrer unterrichtet hat. Die Anstalt wird dem Scheidenden, der auf dem Gebiete der französischen und englischen Sprache ein hervorragendes Wissen betätigte und sich im Verkehr mit seinen Kollegen stets als offener, liebenswürdiger Mensch erwies, ein herzliches Gedenken bewahren.

Herr Prof. Deubner, sowie Herr Dr. Schweigel, der Ostern 1906 aus dem Lehrer- kollegium geschieden war(s. Programm O. 1906), wurden während des Sommerhalbjahres durch die Kandidaten Fischer und Dr. Ritter vertreten, die wie der vollbeschäftigte Hilfslehrer Neumann der Anstalt zur Ableistung ihres Probejahres überwiesen waren. Von Oktober bis Ende Dezember gehörte auch der Kandidat Sander als Probandus dem Lehrer- kollegium an.

Am 1. Oktober 1906 wurden die Herren Oberlehrer Tiedemann und der wissenschaft- liche Hilfslehrer Wagner an die Anstalt berufen.

Paul Tiedemann, geboren in Memel am 28. Mai 1867, besuchte das humanistische Gymnasium daselbst bis Herbst 1885 und studierte sodann in Königsberg klassische Philologie. Die Prüfung für das höhere Schulamt legte er im Juli 1890 ab. Er leistete das Seminarjahr von Ostern 1891 bis Ostern