Aufsatz 
50 Jahrfeier der Oberrealschule zu Grünberg i. H. : 22.-24. Mai 1926 ; Gedenkblätter / von W. Angelberger
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Religionsgeschichtliche Bilder aus Nassau. II. Teil. Von

Theodor Schneider, Oberlehrer.

21. Die Einführung der Reformation in Nassau.

a. Welchen Eindruck die Thesen Luthers in unserem Lande hervorgerufen haben, darüber fehlt es zur Zeit noch an jeder Nachricht, wie überhaupt die Anfänge der Reform- bewegung noch vielfach in Dunkel gehüllt sind. Der erste Nassauer, von dem wir wissen, daß er sich entschieden auf Luthers Seite gestellt hat, war Wilhelm Nesen von Nastätten, ein gelehrter Humanist, von dem Erasmus im Jahre 1519 schreibt:»Ich möchte nicht, daß die Predigermönche wüßten, welchen Freund ich Luther zugeführt habe.« Seit 1520 finden wir ihn in Frankfurt a. M. als Lehrer der alten Sprachen an einer höheren Schule tätig, zugleich aber auch als eifrigen Verfechter der lutherischen Schriften, von denen er einige aus der lateinischen in die deutsche Sprache übersetzte. Als Luther auf seiner Reise nach und von Worms durch Frankfurt kam, besuchte er Nesen wiederholt in seiner Schule, sprach sich sehr erfreut über deren Stand aus und legte beim Abschied einigen der Knaben segnend die Hand aufs Haupt. Seit jener Zeit wurde das Verhältnis zwischen unserem Landsmann und dem großen Sachsen immer herzlicher und hatte schließlich zur Folge, daß jener ganz nach Wittenberg übersiedelte. Dort ist er schon 1524 bei Gelegenheit einer Kahnfahrt auf der Elbe angesichts seiner hilflos am Ufer stehenden Freunde ertrunken. Wie hoch ihn diese schätzten, geht aus ihren schmerzlichen Klagen über seinen Verlust hervor. Luther selbst kniete an seiner Leiche nieder und rief:»O Nesen, wenn mir die Gabe verliehen wäre, Tote zu er wecken, so würde ich Dich erwecken!«

b. Die ersten Nachrichten über die Einführung der Reformation in unserer Heimat selbst knüpfen sich an die Person eines anderen Landsmanns, des Ritters Hartmuth von Cronberg. Durch Luthers Schriften, insbesondere die an den christlichen Adel deutscher Nation, hingerissen, bekannte er sich als einer der ersten Ritter Deutschlands öffentlich für die Sache des gebannten Mönches. Schon auf dem Reichstag zu Worms soll er dem Kaiser eine Schutzschrift für Luther überreicht haben. Jedenfalls ließ er schon im Herbst 1521 einen offenen Brief an Karl V. ausgehen, in dem er den Geächteten

1*¾