Zur Erklarung
des Namens Magdeburg.
Von Oberlehrer Dr. Elschner.
Während das schier unermeſsliche Gebiet der deutschen Namenwelt, der an Groſsartigkeit des Umfangs und an Tiefsinnigkeit der Bedeutungen kaum eine zweite, höchstens die griechische zur Seite steht, den letzten Jahrhunderten als ein ebenso wilder als unergründlicher Urwald galt, erscheint es uns jetzt im Lichte der Forschung als ein wohlgepflegter, wenn auch in seiner Ausdehnung unübersehbarer Garten oder Park, den ein trefflicher Gärtner, der schön waltende, dichterisch webende und schaffende Sinn des deutschen Volkes, gepflanzt, gepflegt und gehütet hat, der aber leider mehr und mehr der Verwilderung anheimfällt und das wird, was er früher schien. Ging man ehedem bei den ersten Schritten in dem geheimnisvollen dunkeln Walde fehl, so findet sich heute jedermann leicht darin zurecht an der Hand liebevoller und verständnisreicher Führer ¹) und bewundert die ehrwürdigen, riesenhaften Stämme, das „weihliche“ Geäst und das tausendfach verschlungene Wurzelgeflecht. Durchwandern wir ihn so von kundigem Leiter geführt, so gelangen wir hier in die Allee der Riesen, Starken, Kühnen und Mächtigen, der-hard,-rix,-bad,-bald,-nand,-wig, und schauen voll Stolz zum heldischen Dioskurenpaar Teutobod und Boiorix empor; dort führt uns ein Seiten- pfad in die Gälschen der Zwerggestalten und Koseformen, der-n, Alin, Ain,-i, l, k, z. Weiter über die ldistaviso gelangen wir in das Reich der Heldinnen, der-gunt, -hilt,-burg,-munt und in das Gebiet der Schönheit, der fléda,-perahta, in die Gegend des Friedens und der Liebe, die der-gard, fried,-trud. Sie alle erzählen von der Herrlichkeit altdeutschen Geistes- und Gemütslebens, und manches Geheimnis aus der deutschen Götter- und Sagenwelt raunt uns das Rauschen in den Wipfeln und das Säuseln in den Blumen ²) zu. Hin und wieder bleiben wir wohl vor einem altbemoosten Stammesriesen stehen und suchen sinnend den in seine Rinde eingeritzten Runennamen zu entziffern oder zu erraten, aber es will uns trotz langen Schauens und Grübelns oftmals nicht gelingen, denn durch den Sturm der Zeiten sind die Züge arg verwettert und verwischt. Da ragen die rätselhaften Stämme der Barden, Friesen, Chatten mit ihren edlen Familien und Sippen empor,
¹) Förstemann, Altdeutsches Namenbuch. 1. Bd.: Personennamen, 1856. 2. Bd.: Ortsnamen, 2. Aufl. 1872; Pott, Die Personen- und Familiennamen, 1853; Heintze, Die deutschen Familennamen; F. Khull, Deutsches Namenbüchlein; Ortjohann, Unsere Vornamen u. a. m.
²) Grimm: Frauennamen aus Blumen.


