Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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20 Lebens ohne Einschränkung soll dieses Seminarium die Vorschule sein, für die Arbeit in kirchlicher und staatlicher Stellung, für amtliche, militärische, gewerbliche, wissenschaftliche Berufstätigkeit soll es die Kräfte entwickeln, die Charaktere stählen, die Arbeitsfreudigkeit wecken. Wahrlich, keine geringe Aufgabe, die da den Lehrenden und Lernenden gestellt wird; kein enges Gebiet, auf dem sich die Geister im Wettkampfe zu tummeln haben.

Wohl können wir, wenn wir Umschau halten und so manchen in Philipp Ludwigs Pflanz- garten erwachsenen jungen Stamm in seiner weiteren Entwicklung verfolgen, wohl können wir es bestätigt finden, daß das zu allen Zeiten geschehen ist; wohl bestätigt das der Augenschein, wenn wir uns in dieser hochansehnlichen Versammlung umblicken, die ja aus Männern besteht, die, zum größten Teil aus Philipp Ludwigs Seminarium entsprossen, im staatlichen oder bürgerlichen Leben an einflußreicher und verantwortungsvoller Stelle stehen, die im Dienste der Kirche und des Vater- landes, auch in Handel und Gewerbe segensreich wirken, Männer, von denen das jetzige junge Geschlecht unsererHohen Landesschule mit Stolz und Ehrerbietung zu sagen hat: sie waren einst gleich uns; helfe Gott, daß wir dereinst diesen viri honestissimi et spectatissimi es nachzutun vermögen!

Wohl denen aber, die jetzt an Philipp Ludwigs alter Stiftung als Leiter und Lehrer wirken, wohl uns, denen von unsern Oberen die ehrenvolle Aufgabe gesetzt ist, sein Seminarium weiter zu bebauen, wenn es uns gelingt, gleich so manchem treuen Arbeiter vor uns, der schon den Weg gegangen, von dem es keine Wiederkehr mehr gibt, und der nun draußen auf unserm schönen Friedhof seine Stätte hat wohl uns, wenn es uns gelingt, die unserer Obhut anvertraute Jugend in dem gleichen Sinne zu führen und zu lehren, so wie es unser Stifter gewollt hat, daß aus ihnen dereinst feste weltliche und kirchliche Stützen werden. Ihr Jüngsten aber, ihr Knaben und Jüng- linge, auf denen unsere Hoffnung steht, die ihr jetzt an derselben Stelle eure Bildung sucht und die Wohltaten von Philipp Ludwigs Stiftung genießt, möget ihr von dem heutigen Tage und von allem, was ihr da seht und hört, einen neuen Ansporn nehmen zu regstem Wettkampfe in der Arena des Geistes, neuen Vorsatz fassen zu ernster Frömmigkeit, zu treuer Pflichterfüllung, zu heißer Vaterlandsliebe, jeder einzelne sich selbst und einst der Gesamtheit zunutz. Mit diesem Gelübde im Herzen schmücket nun zum äußeren Zeichen des Dankes und der Huldigung das Denk- mal Philipp Ludwigs mit dem Lorbeerkranze, und wir schließen uns dankerfüllten Herzens dieser Huldigung an.

(Hier legte der Primus omnium einen Kranz am Fuße des Denkmals nieder.)

Und nun, wir alle insgesamt, die es angeht, alt und jung, wir geloben: in deinem Sinne, du edler conditor noster, wollen wir der von dir gesetzten Aufgabe gerecht zu werden uns be- fleißigen, wollen dein Vermächtnis auch fürder in treuer Hut halten. Dann wird der Dank, den wir dir für alle Zeit schulden, am reichsten abgestattet, mehr als durch Denkmal und Kranzspende; dann wird Gottes Segen in dem neuen Jahrhundert, in das wir eintreten, auch neue Blüten und Früchte aus deinem Pflanzgarten erwachsen lassen; dann wird dein ehrwürdiges Seminarium nicht bloß sein ein ⁴eννισαιαα, sondern ein růα 0ες dei. Das walte Gott!

Darauf sang die Festversammlung entblößten Hauptes das LiedNun danket alle Gott. Damit war die Hauptfeier beendet.

Nachmittags fand um 1 ½ Uhr ein zahlreich besuchtes Festmahl im Saale derConcordia statt. Den Reigen der Trinksprüche eröffnete Se. Exzellenz Oberpräsident Hengstenberg, der seine Rede ausklingen ließ in ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Der Gymnasialdirektor brachte