Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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Die Dreihundertjahrfeier des Hanauer Gymnasiums im vergangenen Jahre war in gewissem Sinne eine improvisierte. Noch in dem Jahresbericht, der zu Ostern 1907 erschienen war, hatte der Direktor im Sinne der großen Mehrheit des Lehrerkollegiums sich dahin ausgesprochen, daß man sich mit einer ganz bescheidenen, aber doch würdigen Feier werde begnügen müssen, wenngleich unzweifelhaft feststehe, daß der Tag, an dem die Schule durch den Grafen Philipp Ludwig II. gestiftet wurde, der 18. Juli 1907 sei. Der Grund für eine solche Zurückhaltung war der gewesen, daß man im Jahre 1865 eine große Zweihundertjahrfeier begangen hatte. Am 20. Februar 1665 war nämlich nach langem Verfall die Universität Hanau, die einen selbständigen Teil der Hohen Landesschule bildete, zugleich mit dem für die Unterrichtszwecke der Anstalt neu erbauten Hause dureh den Grafen Friedrich Casimir feierlich eröffnet worden. Das hatten treue und begeisterte Freunde des Hanauer Gymnasiums, an ihrer Spitze der damalige Direktor Dr. Piderit zum Anlasse für eine Zweihundertjahrfeier, die erstere größere Stiftungsfeier, die das Hanauer Gymnasium unseres Wissen begangen hat, genommen, und ihr Wunsch hatte die Zustimmung und Ünterstützung der damaligen kurhessischen Staatsregierung gefunden. Da schien es denn nicht wohl angängig zu sein, wenn man schon 42 Jahre nach der Zweihundertjahrfeier eine Dreihundertjahrfeier hätte begehen wollen.

Nach vertraulichen und privaten Verhandlungen hatte auch zunächst das Kgl. Provinzial- Schulkollegium zu Cassel diese Ansicht geteilt. Nachdem jedoch diese Behörde um die Ge- nehmigung einer einfachen Feier, die am Schlusse des Sommers stattfinden sollte, angegangen worden war und nachdem das gesamte Druckschriftenmaterial aus dem Festjahre 1865 ihr vorge- legen hatte, war sie selbst zu der Uberzeugung gekommen, daß der Anstalt ein gutes Recht auf eine volle und ganze Dreihundertjahrfeier im Jahre 1907 zustehe, und es war dem Direktor anheim gegeben worden, einen dahingehenden Antrag zu stellen. Dieser Antrag war denn nun auch von dem Herrn Minister in dankenswerter Weise genehmigt worden, und so konnten denn noch vor Beginn der Sommerferien die Vorbereitungen in die Wege geleitet werden.

Daß die mühsamen Vorbereitungen sich so rasch abwickelten, dafür gebührt aufrichtiger Dank den Herren des Lehrerkollegiums, die zum Festausschuß zusammentraten. Freilich mußte man sich wegen der Kürze der Zeit mit einer bescheidenen Festschrift begnügen. Sie bestand aus einer von Professor Dr. Wackermann verfaßten Zusammenstellung der Lehrer und der Abiturienten der letzten 50 Jahre, der der Direktor einige geschichtliche Mitteilungen über die Geschichte der Anstalt im Anschlusse an Veröffentlichungen aus der ältesten vorhandenen Schüler- matrikel aus den Jahren 1648 1748 anfügte, Schriften, die dieser kurzen Darstellung der Fest- feier im Abdrucke vorangestellt sind. Es sei hier die Bemerkung gestattet, daß ein günstiger

Umstand uns ein für unsere Anstalt hochwichtiges Aktenstück, das für verloren galt, kurze Zeit nach 1*