Aufsatz 
Zwei Festreden / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

neuen deutschen Reiches als ein hell leuchtendes Vorbild solch frommen Sinnes und treuer Pflichterfüllung da steht. Darin, ihr Schüler, ihr heranwachsenden Jünglinge, nehmt euch Kaiser Wilhelm zum Vorbild! Wenn ihr euch diese Lebensweisheit zu eigen macht, dann habt ihr einen festen Anker, der euch in allen Lagen eures Lebens, in guten und bôsen Tagen einen sichern Halt gibt und einen zuverlässigen Leitstern, der euch in den Stürmen des Lebens stets den richtigen Weg zeigt. Dieser Sinn wird euch befähigen etwas Tüchtiges zu werden und etwas Tüchtiges zu leisten und das wünscht sich doch wohl ein jeder und in diesem Sinne werdet ihr das wahre Lebensglück finden und glücklich zu werden, das wünscht sich doch wohl auch ein jeder von euch. Die alte Wahrheit kann nicht oft genug wiederholt werden: Das Lebensglück besteht nicht im Besitze möglichst grosser irdischer Güter, sondern in freudiger, nützlicher, gesunder Thätigkeit, welche Körper und Geist frisch erhält, in dem Bewusstsein treuer Pflichterfüllung und des darauf beruhenden Friedens mit Gott.

Wenn eine vaterländische Feier, wie die heutige, dazu beiträgt, diesen Sinn in euch zu beleben und den Willen in euch zu stärken in treuer Pflichterfüllung dem Vaterland zu dienen, zu leben und zu sterben, dann ist die Feier nicht vergeblich, dann bringt sie Segen, dann kommt sie dem Deutschen Reiche zu gute. Denn die sichere Grundlage, die dem Reiche festen und dauernden Bestand geben kann, ist die Tüchtigkeit aller seiner Glieder. Ist es damit gut bestellt, so hat's keine Not, so können wir ruhig in die Zukunft blicken, denn unsere Burg ist Gott.

Und in dieser Gesinnung wissen wir uns alle einig mit dem erhabenen Enkel unseres grossen Kaisers Wilhelm, mit unserem jetzigen Kaiser und König, der, ebenso wie wir, mit der höchsten Liebe und Verehrung auf die ehrwürdige Gestalt des verklärten Grossvaters hinblickt und der denselben Grundsatz wie jener in dem Wahlspruch zusammenfasst:Meine Kräfte gehören der Welt, dem Vaterland. Unter seinem Scepter leben wir nun schon 9 Jahre, die Segnungen des Friedens geniessend, aber stark genug, dass wir keine Furcht vor einem feindlichen Angriff zu haben brauchen. Rastlos ist er bemüht uns das hohe Gut des Friedens dauernd zu sichern, und je pflichttreuer, tüchtiger, stärker wir selbst sind, um so leichter wird ihm dies gelingen.

Das Deutsche Kaisertum, ein Hort des Friedens, und ein Kaiser an der Spitze, der den festen Willen hat noch vor wenig Tagen hat er es am fernen Newastrand der Welt von neuem kund gethan dieses Gut uns zu erhalten, und der deutsche Kaiseraar, seine Fittige ausspannend über das deutsche Land und allen Deutschen und deutschem Wesen auch jenseit des Meeres wieder einen Halt bietend an der Kraft des geeinigten Vaterlands Gott wollen wir von Herzen danken für das, was er uns geschenkt hat! Unser Wahlspruch sei: Mit Gott für Kaiser und Reich! Und in dieser Gesinnung rufen wir: Unser allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II. lebe

hoch hoch hoch!