Aufsatz 
I. Beiträge zur deutschen Einheitsbewegung : Kaisersgeburtstagsrede / von Hermann Siebert
Entstehung
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T.

Beiträge

Zzur deutschen Einheitsbewegung.

Festrede zur Feier des Geburtsfestes des Kaisers und Königs, gehalten im Realgymnasium zu Cassel von Professor Dr. Siebert.

Liebe Schüler, verehrte Festgenossen! Der Geburtstag unseres Königs und Kaisers ist für uns der Tag geworden, an dem wir uns zu froher vaterländischer Feier vereinigen. Wie könnten wir diesen festlichen Tag würdiger begehen, als indem wir uns der höchsten Güter, die wir besitzen, bewusst werden und in dankbarem Aufblick zu dem Geber aller guten Gaben uns dieses Besitzes er- freuen? Unser Herrscher, vom erlauchten Stamm der Hohenzollern, denen Deutschland so viel zu danken hat, steht uns, den Bewohnern Cassels, noch besonders nahe, da er hier einige Jahre als Schüler geweilt hat. Es war dies eine Auszeichnung nicht nur für unsere Stadt und ihre Schulen, sondern auch für unser erst wenige Jahre vorher mit Preussen vereinigtes Hessenland. eine Auszeich- nung, die auch durch spätere scheelsüchtige Betrachtungen nicht hat verkleinert werden können. Wenn wir jetzt sehen, wie der jugendlich thatkräftige Hohenzollernspross auf dem Thron seinen hohen Beruf auffasst, nämlich als einen Dienst, den er seinem Lande zu leisten hat, und wie er gerade die höch- sten Pflichten eines Herrschers in der Sorge für die Erhaltung des teuren Friedens und in der Fürsorge für die Geringen und Enterbten zu erfüllen sucht, so dürfen wir stolz darauf sein, dass es eine hes- sische, dass es eine Casseler Schule war, die dazu beigetragen hat, dieses Pflichtgefühl bei ihm aus- zubilden.

Gegenüber der Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, die in gewissen Kreisen die Gesundheit unseres Volkskörpers zu untergraben droht, beruht der Segen dieser wiederkehrenden vaterländischen Festfeier gerade darauf, dass sie uns zu einer rechten Wertschätzung dessen, was wir besitzen, anregt. Oft lernt man ein Gut erst dann recht schätzen, wenn man es verloren hat; wohl uns, wenn wir nicht erst durch solchen Verlust, sondern durch frohe Festfeier hierzu geführt werden! Es ist ein wahres Wort, das unser Kaiser einst in Beziehung auf seine Seefahrten gesagt hat:Man sieht die Dinge, die man immer nahe vor Augen gehabt hat, aus der Ferne an und lernt sie so in ruhiger Betrachtung richtiger schätzen, indem man das Grössere, Wichtigere von dem Kleinen, Unwichtigen leichter unterscheidet. So ist es auch bei einer Festfeier. Wir stehen gleichsam still wie auf einer Wanderung, wir halten Umschau wie von einem Berge aus, wir überblicken den Weg, den wir zurück-