Uber den Zusammenhang der physikalischen Eiganschaften der Krystalle mit ihrer Krystallform.
Sohnke sagt:„Ein Krystall ist ein homogener Körper, dessen geometrisehes und physikalisches Gesamtverhalten nach den verschiedenen in ihm gezogenen Richtungen hin im allgemeinen verschieden ist und der bei ungestörter Ausbildung von ebenen Flächen begrenzt wird.“
Die Ursache des verschiedenen Verhaltens eines Krystalles nach den verschiedenen Richtungen ist in der Struktur zu suchen, d. i. die Anordnung der den Krystall zusammensetzenden Teilchen, die wohl wesentlich bedingt wird durch die stoffliche Beschaffenheit. Während die Struktur eines homogenen, amorphen Körpers nacu allen Richtungen die gleiche ist, muss sie in einem Krystall nach verschiedenen Richtungen im allgemeinen verschieden sein, doch muss man zu der Vorstellung gewisser bevorzugter Richtungen kommen, in Bezug auf welche die Anordnung der Teilchen eine symmetrische ist. Von den jeweiligen Symmetrieverhältnissen der Struktur einer krystallisierten Substanz ist nun ebensowohl abhängig die äussere gesetzmässige Krystall- form als die physikalische Gesetzmässigkeit, so dass ein naturgemässer Zusammenhang auch zwischen der Form eines Krystalles und seinen physikalischen Eigenschaften besteht. Wenn ich diesen Zu- sammenhang nun des näheren erörtern will, so kann ich das nicht thun, indem ich die Art der Abhängigkeit einesteils der Krystallform, andernteils der physikalischen Eigenschaften von der Struktur bestimme, sondern indem ich zeige, welche Übereinstimmung Krystallform und physika- lische Eigenschaften in ihren Symmetrieverhältnissen erkennen lassen. Diese Übereinstimmung ist erfahrungsmässig festgestellt und findet ihren Ausdruck in dem Grundgesetz der physikalischen Krystallographie, welches lautet:
Jede geometrische Symmetrie-Ebene ist zugleich Symmetrie- Ebene in physikalischer Beziehung.
Dieses Grundgesetz durch das reichlich vorhandene Material wissenschaftlicher Beobachtung und Erfahrung als durchaus mit den Thatsachen in Einklang stehend zu erweisen soll in der nachfolgenden Darstellung versucht werden, und zwar dergestalt, dass zunächst die Symmetrie- verhältnisse der Krystallformen besprochen werden, worauf dann die physikalischen Symmetriever- hältnisse mit Bezug auf die ersteren ihre Erörterung finden sollen.


