Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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und unten 0,20 m stark. Sie zog sich nach oben kegelförmig zusammen: aus der Form ergab sich, dass die Höhe des ganzen Raumes etwa 23 m betragen hatte. Er ragte fast ganz über den Erdboden hervor, während der Feuerraum unter der Oberfläche lag, und zu seinem Eingang eine treppenartige Rampe herabführte.

Dazu stimmen die erhaltenen Teile unseres Ziegelofens vollkommen, nur dass, wie bereits bemerkt wurde, bei ihm die Umfassungsmauer massiv und alle Masse bedeutender als dort waren. Die in den Trümmern gefundenen Gewölbsteine gehörten wohl zu den Deckensteinen des Feuer- raums, dessen Rippen sie gebildet haben mögen, während der auf ihnen liegende Boden des oberen Raums mit seinen Pfeifen wie in Heidelberg aus Backsteinen gebildet wurde, deren Trümmer in Menge neben den Basaltsteinen im Schutt lagen, der hier wie dort aus den zusammengebrochenen oberen Teilen des Ofens und Gefässresten bestand.¹)

Die Heddernheimer fen entsprechen im System den in Heidelberg aufgedeckten genau, nur haben der obere sowohl als der untere Raum die Gestalt eines Rechtecks, welches aber beim unteren nach dem 0,60 breiten und hohen Eingangsgewölbe sich ebenfalls konisch verjüngt. ²) Die Masse entsprechen mehr den unsrigen, indem die Räume im Innern 1,86 m: 2,25 m massen, und die Feuerkanäle 0,73 m breit und 0,60 m hoch sind, während das Scheidemäuerchen mit 0,40 m Stärke zwischen den Heidelberger Öfen und dem unsrigen in der Mitte steht.

Vollkommen verschieden von den genannten Ziegelöfen stellten sich die Reste unseres Mar- köbeler Ofens dar. Wenn ich im Folgendem eine über die objektive Darstellung des Aus- grabungsbefunds hinausgehende Erklärung der aufgedeckten Reste und daranschliessende Rekon- struktionsversuche gebe, so stütze ich mich dabei auf ein ausführliches Gutachten des Herrn Architekten G. v. Rössler zu Nienburg, der, wie oben bemerkt wurde, mit mir gemeinsam die Ausgrabung des Bauwerks leitete und die Aufnahme besorgte. Ihm schliesst sich in der Haupt- sache Abteilungsbaumeister W. Wolff zu Frankfurt am Main an, welcher auf mein Ersuchen die aufgedeckten Reste besichtigte und mir ebenfalls ein Gutachten einsandte.

Das, wie oben erwähnt, dicht vor der Porta decumana gelegene Bauwerk*) bestand aus zwei Hauptteilen A und C. Von ihnen war der erstere ein an 3 Seiten geschlossener, an der vierten, südlichen Seite offener rechteckiger Raum von 1.25 m lichter Weite und 5,70 m Länge, dessen Fussboden 1 m unter der Terrainhöhe lag, und dessen Seitenmauern an den Langseiten noch in einer Höhe von 55 cm wohl erhalten waren. Sie bestanden aus einem 50 60 cm starken. durch Lehm verbundenen Bruchsteinmauerwerk aus Basalt- und Sandsteinen mit sorgfältiger Schichthaltung und regelmässigem Stossfugenwechsel. Die Mauern standen auf einem 90 em tief in den Boden hinabreichenden Fundament.4) An ihre Aussenseite schloss sich eine aus in Lehm gelegten Basalteinen bestehende Packung, die sich nach aussen an die Wände der nach oben sich erweiternden Baugrube mit reihenweise gelegten Steinen anlehnte, während die letzteren im In- neren der Packung unregelmässig und in breiten, mit Lehm ausgefüllten Zwischenräumen ge- lagert waren.

¹) Vgl. Ausgrabung römischer Reste in Heidelberg. Bericht über die in den Jahren 1875- 78 vorgenommenen Ausgrabungen auf den Bauplätzen des akademischen Krankenhauses und der Irrenklinik von Bezirksbauinspektor Schäfer, veröffentlicht im Auftrage des Gr. Ministeriums des Innern durch den Konservator der öffentlichen Bau- denkmale. 1878. 1

²) Vgl. Taf. I, Fig. 10, 11, 12. Ich verdanke diese Angaben einer mir gütigst mitgeteilten Zeichnung des Herrn O. Cornill, des Konservators des Frankfurter historischen Museums.

¹) Vgl. Taf. I, Fig. 13, 14, 15.

*) Vgl. Taf. I, Fig. 15.