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0,55 m breit. Über ihr, wieder 0,15 m erhöht, war der eigentliche Fussboden, auf beiden Seiten zwischen dem bogenförmigen Einschnitt und der Wand halbmondförmig gebogen, an der breitesten Stelle noch je 0,85 m breit. Ausserdem erhob sich der ganze Fussboden vom Hintergrund nach dem Eingang hin stetig, um vor demselben in eine zum ursprünglichen Bauhorizont hinaufführende Rampe überzugehen.
Es konnte kein Zweifel sein, dass wir zwei verschiedene Brennöfen vor uns hatten, von welchen der grössere zuerst gebraucht und später aufgegeben wurde, worauf man in ihn, die vor- handenen Mauern als erwünschten Abschluss des Bodens benutzend, den kleineren Ofen einbaute.
Wenden wir uns zuerst zum grösseren und älteren Ofen. Es scheint dass derselbe abwech- selnd für Ziegel- und Kalkbrand oder ausschliesslich für letzteren verwendet worden war. Den Betrieb haben wir uns so zu denken, dass analog heutigen Feldöfen über dem tiefliegenden Ein- schnitt eine Feuerkammer aus Kalksteinen aufgesetzt wurde, während im übrigen Lagen von Holz und Kalk abwechselten. Der Ofen war z. T. gefüllt als er zerstört oder aufgegeben, wurde; daher die Lagen von Kalksteinen, Kohlen und Kalkmasse übereinander. Auf diese Benutzung deutet auch der Umstand hin, dass an der Innenwand des Mauerrings sich auch gebrannter Kalk fand, über dem gebrannter Thon die Fuge zwischen beiden Mauern ausfüllte. Nachdem sich über den Resten der Füllung Schutt abgelagert hatte, wurde dann der Boden für den kleinen Ofen aus Lehm und Basalt aufgelegt und auf diesen die Mauer des letzteren aufgesetzt. Der Durchmesser des älteren Ofens, der oben weiter als unten ist, misst am oberen Rande des erhaltenen Stücks 3,40 m, am Boden 3,15 m im Innern, etwa 4,30 m aussen. Diese Dimensionen, welche die der uns sonst bekannten römischen Ziegelöfen erheblich übersteigen, mochten für die Ziegelei ebenso wie die Tiefe zu bedeutend sein, weshalb man nicht den alten Ofen benutzte, sondern den kleinen in ihn einbaute. Der kleine Ofen, der, wie sein Inhalt und die Beschaffenheit seiner Mauern, an welchen der Kalk fehlte, die gebrannte Thonmasse umso reichlicher vertreten war, zeigten, nur als Ziegel- ofen benutzt worden war, entsprach soweit seine Reste es erkennen liessen, den in Heidelberg aus- gegrabenen Ziegelöfen genau und stimmte im System auch mit den neuerdings in Heddernheim aufgedeckten Brennöfen überein, nur übertraf er die ersteren an Grösse und war massiv aus Basalt- steinen aufgeführt, ſwährend an beiden genannten Orten nur Backsteine verwendet waren, die. wie bei unseren 6fen die Basaltsteine, durch Thon verbunden waren. Da in mehreren der Heidel- berger und Heddernheimer Ofen die Heizräume vollkommen erhalten waren, so können sie zur Erklärung des unsrigen dienen.
Der besterhaltene unter den 4 aufgedeckten Heidelberger Öfen¹) bestand aus zwei überein- ander befindlichen Teilen, deren unterer den Heizraum enthielt, dessen Boden 0,80 m tiefer lag als die römische Strasse. Es war ein elyptischer, nach der Öffnung, die wie bei unserem Ofen von zwei kurzen Seitenwangen eingefasst war, konisch zulaufender Raum, der in der Längenaxe von der Rückwand bis gegenüber der ffnung durch eine kleine, 0,25 m starke Mauer geteilt war, welche ausser der Unterstützung der Gewölbe den Zweck hatte, das Feuer gleichmässig zu ver- teilen. Die beiden 0,70 m breiten, 0,60 hohen Hälften waren durch flache Gewölbe gedeckt, in der Weise, dass je 7 stärker gebogene Rippen von 0,28 m Scheitelstärke ein flacheres Gewölbe von 0,15 m Scheitelstärke trugen, welches durch konische Löcher durchbrochen und oben abgeglichen war. Die fast kreisrunde Umfassungsmauer des oberen Raumes war ca. 0,50 m hoch erhalten
¹) Vgl. Taf. I, Fig. 7, 8, 9. 11


