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platten,¹) die sicherlich zu dem letztgenannten Hause in Beziehung stand, sei es, dass sie einen vor ihm hinführenden Fussweg bildete, oder dass sie irgend einen andern Zweck hatte.
Alle diese Reste wurden durch den früher erwähnten Versuchsgraben zur Auffindung der Kastellmauer geschnitten und dadurch entdeckt. Es ist kein Zeifel, dass südlich und nördlich von ihm sich ähnliche Andeutungen römischen Anbaus finden werden, wenn man nach ihnen sucht. Führte doch auch ein senkrecht gegen die Richtung des genannten Grabens von S. nach N. ge- zogener Versuchsgraben auf ganz ähnliche Trümmerstätten und nahe dem Durchschnittspunkt mit dem ersteren auf die erhaltenen, nur 0,50 m starken und 0,70 m tief fundierteu Trockenmauern eines kleinen trapezförmigen Bauwerks²) von 3,10 m Breite und 6,20 m bezw. 6,45 m Länge, welches seiner ganzen Beschaffenheit nach kaum ein Wohnhaus gewesen sein kann, sondern zu dem Bauwerk gehörte, zu dessen Besprechung wir nunmehr übergehen.
Da nämlich, wo die beiden Versuchsgräben sich einander näherten, 60 m östlich von der erwähn- ten Plattenlage und nördlich von dem eben genannten kleinen Gebäude, stiessen wir auf das best- erhaltene und interessanteste von allen ausserhalb des Kastells aufgefundenen Bauwerken,) einen Brennofen der ebenso sehr wegen seiner Grösse als wegen seiner eigentümlichen Bauart Beachtung verdient. Wir geben seine genaue Beschreibung im letzten Kapitel in Zusammenhang mit der unserer Grosskrotzenburger Ziegelei und begnügen uns an dieser Stelle mit Angaben über seine Lage zu den anderen Bauwerken und besonders zum Kastell.
Genau vor der Porta decumana und von derselben nur soweit entfernt, dass zwischen seiner östlichen Front und dem äuseren Graben noch Raum für einen Weg übrig blieb, lag der Ofen mit seiner süd-nördlichen und west-östlichen Frontrichtung vollkommen symmetrisch sowohl zum Kastell selbst, als zu den zuletzt beschriebenen Häuserfundamenten. Auch peim Marköbeler Kastell kehrt also die Erscheinung wieder, dass die Regelmässigkeit der römischen Militäranlagen sich bis aufs Lagerdorf erstreckt, indem auch dieses mit seinen Häuserfronten durch die Richtung der zum Kastell führenden und nach seinen Thoren sich verzweigenden Strassen und der gleich ihnen geradlinigen, sie schneidenden Querwege bestimmt wurde. Die Kenntnis dieser regelmässig wiederkehrenden Gesetze aber gibt, wie sie uns die Lage des Kastells auffinden liess, uns auch die Hoffnung, dass wir bei späteren Nachforschungen, deren Wiederaufnahme von Zeit, Geld und Er- laubnis der Bewohner abhängig ist, auch die Topographie des Marköbeler Lagerdorfes werden auf- klären können. Diese Untersuchungen versprechen umso lohnender zu werden, da die Nieder- lassung, wenn wir den Angaben der Ortsbewohner über das Vorhandensein von unterirdischen Mauerresten Glauben beimessen dürfen, sich über die ganze„»grosse und kleine Burg“ erstreckte, also einen sehr bedeutenden Umfang hatte.
Auffallend gering war auch bei den Marköbeler Ausgrabungen die Ausbeute an Fundstücken, die zur Bereicherung des Museums dienen konnten. Insbesondere wurden zu der einzigen aus früherer Zeit bekannten Münze, einem Denar des Hadrian*), nur zwei neue Sesterze des Marc Aurel und des Severus Alexander gewonnen, welche beide von mir von den Besitzern gekauft wurden, die sie beim Neuban von Häusern an der Nordseite der Windecker Strasse, also an der zur Porta principalis dextra führenden Römerstrasse, in römischem Bauschutt fanden. Nachträglich erhielten
¹) Vgl. Taf. IV, f.
¹) Vgl. Taf. IV, g. Grundriss Taf. IV, Fig. 4. ³) Vgl. Taf. IV, h.
*) Vgl. Suchier. Festschrift S. 12.


