76
Für die Richtigkeit dieser Annahme spricht auch die Lage der beiden aufgedeckten römi- schen Gebäude auf der„kleinen Burg.“ Von ihnen war das dicht an den Häusern des Dorfes ge- legene!) fasst so gründlich zerstört wie die in Grosskrotzenburg und Rückingen gefundenen Häuser- reste. Nur an einer Stelle war noch auf ein kurzes Stück eine Fundamentflucht zu erkennen; sie zog sich der Strasse genau parallel von W. nach O. und war, wie die Beschaffenheit des Ter- rains zeigte, ein Teil der eigentlichen Front des Hauses gewesen. Die übrigen Mauern waren bis auf die Fundamentsohle ausgebrochen und dann die wenigen brauchbaren Steine und sonstigen Reste in die bis 2 m tiefen Fundamentgräben und Kellerräume geworfen, deren Grenzen bei der Zerstörung und Ausbeutung so verwischt waren, dass der Grundriss des Gebäudes nicht mehr zu erkennen war. Doch zeigte die Tiefe der Gruben und die Beschaffenheit der Trümmer, dass das Haus massiv gebaut, mit Hypokausteinrichtung versehen und mit einem gewissen Komfort ausge- stattet gewesen war. Es fanden sich in dem Brandschutt abgesehen von den Basaltmauersteinen und behauenen Sandsteinen viele Tierknochen, Fragmente von Amphoren und Sigillatagefässen, Nägel und Bronzestücke, unter letzteren ein Stilus, und endlich ein Sandsteinfragment mit den Buchstaben GENIO in sehr unregelmässigen Formen. Am südlichen Ende der Trümmerstätte wurde eine kreisrunde schachtartige Vertiefung von 1,50 m Durchmesser bis in 2,50 m Tiefe ausgeräumt, die ausser wenigen Steinen und Gefässresten nur mit Asche angefüllt war, und sich, wie die Son- dierung ergab, noch in beträchtliche Tiefe in derselben Weise erstreckte. Es war eine Senk- grube, wie man sie an vielen Orten neben römischen Gebäuden gefunden hat.
Weit besser erhalten waren die Reste des grossen Gebäudes am westlichen Ende der „kleinen Burg.“²) Dicht nördlich von der der Strasse parallelen, von W. nach O. durchziehenden Ackergrenze, welche der früher erwähnten Abböschung des Feldes zu dem Wiesenthälchen ent- spricht, und zwar jener Grenze fast parallel, zog sich eine 30 m lange Mauer hin, deren 1 m starkes Fundament aus Gussmauerwerk bestand, während die 0,75 m starke, an einzelnen Stellen noch 0,70 m hoch vollkommen erhaltene Obermauer aus regelmässig behauenen Basaltsteinen mit gutem Mörtel lagerhaft geschichtet war.
Ihr entsprach in 13 m Abstand eine ihr parallel nach S. laufende Mauer, von der jedoch nur die unterste Lage des Fundaments erhalten war, so dass, während bei der ersten Mauer die Fundamentsohle 1,20 m unter der Oberfläche lag, sie bei der letzteren sich dicht unter der Acker- krume fand. Dem entsprechend wurden die bald in gleicher Stärke wie die Längsmauer aufge- deckten Quermauern von N. nach S. immer niedriger.*) Die merkliche Abböschung des Bodens von der durchziehenden Ackergrenze an und die Lage der letzteren waren also wiederum bedingt durch die Existenz der nördlichen Mauer, an der sich der von der Strasse her abgeflösste Boden erhöht hatte, während er neben und unterhalb, sowie auch innerhalb des Gebäudes z. T. auf das Wiesen- thal hinabgeschwemmt war. Das Bauwerk welches ursprünglich zwischen dem letzteren und der höher gelegenen Strasse auf einer horizontalen Terasse gelegen hatte, war von rechteckigem Grundriss und hatte die ansehnliche Ausdehnung von 30 m Länge und 14,80 m Breite(aussen gemessen).
Nach Feststellung der Aussenmauern kam es vor allem darauf an, etwaige innere Quer- wände, die man bei der Grösse des Hauses mit Bestimmtheit annehmen musste, zu finden. Aber
¹) Vgl. Taf. IV, d. 2) Vgl. Taf. IV, c. ²) Vgl. den Grundriss Taf. IV, Fig. 2 und das Profil Fig. 3.


