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Die ganze Entdeckungsgeschichte unseres Kastells zeigt aber aufs neue, wie wesentlich es vpei solchen Nachforschungen ist, seine Aufmerksamkeit auf die topographischen Verhältnisse, insbe- sondere auf Strassen und Grenzen zu richten, freilich nicht, um aus denselben ohne weiteres Schlüsse auf die Lage römischer Gebäude, Strassen und Grenzen zu ziehen, sondern um Anhalts- punkte für die Aufsuchung derselben zu gewinnen. Nur als eine bei späterer Wiederaufnahme der Nachforschungen zn verwertende Vermutung möchten wir es daher auch angesehen wissen, wenn wir darauf aufmerksam machen, dass von der Porta praetoria*) aus fast genau nach der Stelle, an welcher die Verlängerungen der bekannten Limesstrecken mit dem als„Hochstrasse“ bezeichneten alten Weg zusammentreffen,²) die zweite west-östliche Hauptstrasse des Dorfes führt. Es dürfte wohl kaum zu kühn sein, zu vermuten, dass auch diese Strasse und durch sie der Plan auch des östlichen Teils des Dorfes durch den alten Verbindungsweg zwischen dem Kastell und dem Durch- gang durch den Pfahlgraben ins germarnische Gebiet bedingt sei.
In weit höherem Grade aber lässt sich die Kontinuität alter und moderner Anlagen für das Gebiet westlich vom Dorfe und dem Kastell, in dem wir die bürgerliche Niederlassung anzunehmen haben, nachweisen; und hier ist gegründete Hoffnung, bei weiteren Nachforschungen noch schöne Resultate zu gewinnen. Denn so ungünstig die Verhältnisse für die Ausgrabung des Kastells lagen, so günstig ist hier der Umstand, dass mit Ausnahme der von den neuen Häusern ausserhalb des alten Darfes bedeckten Trümmer die Reste der offenbar sehr ausgedehnten Niederlassung alle im freien Felde, also auf einem zu gewissen Jahreszeiten zugänglichen Gebiete liegen. Was davon auf der„grossen“ und„kleinen Burg“ bis jetzt gefunden ist, wurde nicht seiner selbst wegen aufgesucht, sondern bei den Nachforschungen nach dem Kastell aufgedeckt.
Es geht aus dem früher Gesagten hervor, dass die heutige Windecker Landstrasse in ihrem letzten Abschnitte vor dem Dorfe einer alten römischen Strasse entspricht, die als Fortsetzung der weiter westlich unter dem Namen„Hochstrasse“ bekannten Heerstrasse anzusehen ist, dass aber diese Strasse nicht, wie man früher annahm, direkt zur Porta decumana des Kastells, sondern an dessen Südfront entlang zur Porta principalis dextra führte. Etwa an der Stelle, wo wir früher mit v. Cohausen die Porta decumana annahmen, muss von dieser Strasse ein Weg abgezweigt sein, der, die„grosse Burg“ schräg durchschneidend, zur wirklichen Porta decumana führte. ³)
Durch diese beiden Strassen wurde, soweit wir aus den aufgefundenen Resten schliessen konnten, die Lage der Häuser und Gehöfte der Niederlassung bestimmt, wie wir das ganz analog auch in Grosskrotzenburg und Rückingen gefunden haben.¹4) Zunächst weisen die Mitteilungen über Funde von Münzen und sonstigen Resten bei der Fundierung der neu erbauten Häuser im west- lichen Teil des Dorfes darauf hin, dass sich hier an das Kastell die Niederlassung mit der- selben Frontstellung ihrer Häuser anschloss wie das heutige Aussendorfé) an den ummauerten alten Teil.
¹) Vgl. Taf. IV, IX.
¹) Vol. Iaf. IV. XI.
3) Vgl. Taf. IV, IV.
*) Auch in Grosskrotzenburg folgt die moderne Chaussee nicht dem alten Zufuhrweg zur Porta decumana, sondern dem zwischen dem Kastell und dem Strome zur Porta principalis dextra führenden Wege. Vgl. Festschrift, S. 27. Ebenso fanden wir in Rückingen zwischen der Porta principalis dextra und der Villa einen chaussierten Weg, der sich nach dem Pfahlgraben und der Kinzigbrücke hin fortsetzte. Auch dort mussten wir ihn als die Hauptverkehrs- strasse betrachten, von welcher der zur Porta decumana führende Weg abzweigte. Vgl. oben S. 27.
⁵) Vgl. Taf. IV. Es ist der westlich von VII gelegene Teil des Dorfes.
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