Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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deren zur Verpflegung der Truppen dienenden Gebäuden an. Ebenso unzweifelhaft gehörte der gesamte innerhalb der Ortsbefestigung gelegene Teil des Kastells zur Praetentura. ¹) Für das Prätorium und die zu seinen beiden Seiten gleich der Praetentura von Soldatenquartieren eingenommenen Latera prae- torii bliebe demnach der christliche Friedhof übrig, ²) dessen Breite freilich der grossen Ausdehnung der uns bekannten Prätorien nicht vollkommen entspricht, wie andererseits die Retentura verhält- nismässig ausgedehnter als die des Rückinger Kastells sein würde. Dieselbe Erscheinung finden wir in Grosskrotzenburg, wo sie sich vielleicht aus dem Umstand erklärt, dass die Besatzung dort z. T. aus Reitern bestand, deren Ställe wohl in der Retentura lagen. Ob dies etwa auch in Marköbel der Fall war, darüber lässt sich auch nicht einmal eine Vermutung aussprechen, da abgesehen von der problematischen Ausdehnung der einzelnen Teile, wir leider keine Anhaltspunkte für die Be- stimmung der Garnison gefunden haben. Es hat dieser Mangel seinen Grund darin, dass ausser einemunbestimmbaren Fragment kein einziger der ausgegrabenen Ziegel den Stempel eines Truppenteils trug.

War somit die Lage des Kastells im Dorf und den am wenigsten zugänglichen Teilen seiner nächsten Umgebung insofern äusserst ungünstig, als sie eine thatsächliche Nachweisung der auf dem Wege der Kombination bestimmten Umfassungsmauer nur in beschränktem Masse, eine voll- ständige Aufdeckung der Strassen, Türme und Gebäude im Innern aber gar nicht gestattete, so sollte uns doch die Auffindung eines der letztgenannten Bauwerke gelingen, welches von ganz be- sonderem Interesse für die Lösung der Frage nach der inneren Ausstattung der Limeskastelle ist.

Waren unsere oben angedeuteten Vermutungen über die Lage der einzelnen Quartiere des Kastells richtig, so mussten die ausgedehnten Hintergebäude und der Garten des Gasthauses von Stein,²) in dem wir während der Ausgrabungen unser Quartier aufgeschlagen hatten, den zwischen der Porta praetoria und der Porta principalis dextra gelegenen Teil der Praetentura ausfüllen, in dem wir in Rückigen den Hypokaustbau analog dem Niederbiberer Kastell gefunden¹) und auch in Grosskrotzenburg Spuren der Existenz eines solchen erkannt hatten.5) Bei der Uniformität der römischen Militäranlagen war es nicht undenkbar, dass wir auch in Marköbel an derselben Stelle dieselbe Erscheinung finden würden. Die ersten Sondierungen in dem kleinen Graben förderten ausser kleinen Sigillatascherben keine Spuren römischen Anbaus zu Tage: bis in 1 m Tiefe senkte sich das Sondiereisen leicht in den fetten Gartenboden. Endlich traf es auf Steine, leider aber hart an der Grenze des Grundstücks, wo auf der einen Seite der Zaun des benachbarten Gras- gartens, auf der anderen ein Wirtschaftsgebäude das zu untersuchende Gebiet einengten. Das- selbe war überdies mit jungen Obstbäumen und Johannisbeersträuchern besetzt, zwischen welchen die Herbstgemüse noch nicht eingeerntet waren, so dass nur ein hoher Grad von Entgegenkommen seitens der Besitzer uns eine Nachgrabung ermöglichte. Erst 1 m unter der Oberfläche stiessen wir auf die mit dem Sondiereisen gefühlten Steine, die sich bald als eine noch im festen Verband befindliche sehr sorgfältig ausgeführte Mauer erkennen liessen, die in 1 m Stärke von W. nach O. genau parallel der Flucht der anliegenden Häuser und der Südfront des Kastells verlief. An sie stiess nach N. eine 0,80 m Schicht verwitterter Sandsteine, Basaltstücke, Mörtelbrocken und

¹) Vgl. Taf. IV. Es ist der durch die Zahlen VII, VIII, IX, X und I begrenzte Raum. ²) Vgl. Taf. IV zwischen VII, VI, I und II.

²) Vgl. Taf. IV, i.

*) Vgl. oben S. 55 ff.

³) Vgl. Festschrift S. 20, N. 2.