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Sehen wir uns nun nach anderen Zeugnissen für die Existenz und Geschichte der Cohors III Dalmatarum¹) um, so fällt deren Dürftigkeit besonders gegenüber dem Reichtum der Hinter- lassenschaft der Vindelicischen Schwesterkohorte auf.
Ihre Ziegelstempel sind bisher ausser in Rückingen²) nur in Wiesbaden“) und in dem Württembergischen Limeskastell Oberscheidenthal, und zwar in letzterem nur in zwei fragmentarisch (Coh. IIIDA) erhaltenen von Prof. Zang emeister) ergänzten Exemplaren gefunden worden. Sie wurden dort in der Villa ausserhalb des Kastells neben Stempeln der Leg. VIII Aug. und der Coh. XXIIII Vol. Civ. Rom. ausgegraben. Der Fundort und die Beschaffenheit der Reste lassen keinen Schluss auf die Anwesenheit der Kohorte als Garnison im Kastell zu. Wiesbaden war vor der Anlage und nach der Räumung des Limes im Besitz der Römer. Das Vorkommen chronologisch unbestimmbarer Stempel an diesem Orte schliesst also die Annahme nicht aus, dass Rückingen während der Behauptung des Grenzwalls dauernd die Garnison des Truppenteils war.“)) Wenn Hartung,“) bei der Zusammenstellung der Truppenteile Obergermaniens in den Jahren 26— 42 p. Chr. u. a. die Coh. I und III Dalmatarum nennt, so beruht das ebenso auf blosser Vermutung wie die Angabe, dass die beiden Kohorten zur Leg. XXII pr. p. f. gehört haben und mit ihr aus IIlyrien nach Germanien gekommen seien. Die erste chronologisch be- stimmte Angabe bot seither das Wiesbadener Militärdiplom von 116 nach Rossels unzweifel- haft richtiger Ergänzung der Nummern,?) während die hier mit ihr zusammen genannte Cohors V Delmatarum bereits im Diplom vom Jahre 74 p. Ch. unter den Truppen Germaniens aufgezählt wird. Neuerdings ist auch die Coh. III Dalmatarum durch das in Mainz aufgefundene Diplom Domitians v. J. 90 bereits für dieses Jahr in Obergermanien nachgewiesen.“) Hassencamp') lässt es zweifelhaft, ob die bis dahin einzige Steininschrift einer Coh. III Delmatarum civ. Rom. pia fidelis aus Dacien vom Jahre 255 p. Ch. sich auf unsere Kohorte bezieht.
Wenn dieselbe identisch ist mit der im 3. Band des Corpus Inscriptionum Latinarum ange-
.¹) Uber die Formen Dalmatae und Delmatae vgl. man oben S. 57 N. 2. Mommsen führt in seiner Zusammen- stellung die Hülfskohorten nach den betr. Heimatsländern nur die Form Delmatae an. Ephemeris Epigraphica, Vol. V, Fasc. I u. II, S. 183 ff. Da auch die Militärdiplome sie aufweisen, scheint sie die offiziell gebräuchliche gewesen zu sein. Hartungs Annahmen, dass die Inschriften mit der Form Dalmatarum aus der Zeit vor dem Jahre 74 stammen, die mit der Form Delmatarum juünger seien, ist sicherlich unhaltbar(vgl. Duncker a. a. O. S. 35). Ge- gen dieselbe spricht schon der Umstand, dass bereits bei Cicero die Schreibung Delmatae die der besten Hand- schriften ist.
²) Die von Hassencamp, De cohortibus Romanorum auxilariis. Diss. inaug. Gotting. 1869 Pars I, S. 43 an- geführten Stellen bei Brambach 1436 beziehen sich auf die älteren Rückinger Funde.
³) Vgl. Rossel, Ein Militär-Diplom Kaiser Trajans aus dem Römerkastell in Wiesbaden und die Besatzung dieses Kastells. Wiesbaden 1858 S. 18 und Tafel III, 14.
⁴) Kastell Oberscheidenthal. Korrespondenzblatt der Westd. Zeitschrift II, 8, S. 141. Irrtümlich wird Anm. 1 bemerkt:„Ist auch in Grosskrotzenburg und Wiesbaden gefunden.“ Die Angabe in Beziehung auf ersteren Ort be- ruht auf einer Verwechselung mit dem benachbarten Rückingen, die durch die Zusammenstellung bei Suchier, Festschrift, S. 24 veranlasst zu sein scheint.
⁵) Vgl. Rossel a. a. O. S. 65 ff.
) Römische Auxiliartruppen am Rhein. Programm der Kgl. bair. Lateinschule zu Hammelburg I. Th., 1870 Würzburg, S. 11 und S. 19. Die Bezeichnung Obergermanien ist an sich für den angegebenen Zeitraum ein Ana- chronismus.
7) A. 2. O. S. 18.
) Vgl. Mommsen in der Ephemeris Epigraphica Vol. V, Fasc. I A II, p. 652 und 615.
9) A. a. O. S. 43.
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