Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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Wir nahmen, gestützt auf anderweitige Beobachtungen und mit Rücksicht darauf, dass der halbrunde Abschlussbau genau in der Mittellinie des Kastells lag, an, dass der ganze Bau ursprüng- lich vollkommen symmetrisch angelegt oder wenigstens beabsichtigt gewesen sei.

Diese Annahme fand eine Bestätigung darin, dass zwei chaussierte Wege in ganz gleichem, 22 m weitem Abstand von der Mittellinie dieser parallel die Via quintana mit der Via principalis verban- den, von welchen der nördliche an der Nordfront des Langbaues entlang führte. Dass dies auch bei der südlichen Seite des ganzen Prätoriums der Fall war, zeigt der Umstand, dass genau bis zu der genannten Strasse sich in der Verlängerung des südlichen Flügels auf dem gewachsenen Boden eine Lage von Lehm fand, eine Erscheinung, die sich in einer die südliche Strasse beglei- tenden Zone von geringer Breite wiederholte.

Es lag nahe anzunehmen, dass die hier ursprünglich vorhandenen Fundamente ausgebrochen seien. Auffällig aber war das scharfe Abbrechen der parallelen Mauern genau in derselben Entfernung vom Mittelbau, auffälliger noch, dass sich in der Verlängerung derselben weder irgend welche Spuren des Fundaments noch auch die mit den üblichen Trümmern ausgefüllten Fundamentgräben fanden. Auch erhob sich da, wo die Mauern abbrachen, der gewachsene Boden, heller Sand, so- fort deutlich erkennbar bis zu 70 cm unter der Oberfläche, der gewöhnlichen Tiefe der Schutt- schicht im ganzen Kastell.

Wir kamen unter Berücksichtigung aller dieser Umstände zu der Ansicht, dass wir es hier mit dem seltenen Fall zu thun hätten, dass ein massives Prätorium an Stelle eines älteren aus leichter konstruierten Lehmbauten mit Trockenmauern daher die Lehmschicht aufgeführt wer- den sollte, vor dessen Vollendung die Räumung des Kastells der Römerherrschaft in Rückingen ein Ende machte. Dafür sprachen auch noch folgende Umstände: Nirgends fand sich innerhalb des Prätoriums der massenhafte Bauschutt, den die Zerstörung eines so grossen massiven Gebäu- des voraussetzen liesse, und wie er in den Türmen sich wirklich fand.

Es wurden besonders fast gar keine Dachziegel und überhaupt keine Schieferplatten gefun- den, von welchen ersteren sich in den Türmen, besonders den grossen Seitentürmen der Porta prae- toria, eine so grosse Menge gefunden hat, während mit letzteren die leichteren Wohnräume der Soldaten bedeckt waren. Bezeichnend war es auch, dass im östlichen Teile des von uns zum Prätorium gerechneten Raumes sich die unteren Lagen eines regelrecht aufgeschichteten Haufens nicht vermauerter Basaltsteine fanden.

So einleuchtend aber eine solche Annahme war, so schien ihr doch der Umstand zu wider- sprechen, dass auch bei zwei anderen Limeskastellen sich die Erscheinung wiederholt, dass vom Prätorium nur ein massiver halbrunder Abschlussbau mit mehr oder weniger langen hallenartigen Seitenmauern erhalten ist, während im übrigen als Prätorium zu betrachtenden Raume keine Spur von massiven Mauern vorhanden ist. Es sind dies die Kastelle von Mainhard in Württemberg und von Wörth am Main.

Der Grundriss des ersteren ist von v. Cohausen publiziert:¹) er stimmt, was den halbrunden Bau betrifft, in geradezu frappierender Weise mit unseren Rückinger Resten überein, wie über- haupt das Mainharder Kastell in der Grösse und in dem Verhältnis von Länge und Breite dem Rückinger fast ganz analog ist. v. Cohausen sagt: ²)Von der Aussenseite des westlichen Thores 52,40 m entfernt stiess man im Innern des Kastells in der Längenaxe auf die Reste des Präto-

¹) Der römische Grenzwall. Taf. XLIX. ²) Der römische Grenzwall S. 29.