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den zulässig niedrigsten Stand abgelassen und so gelang es mit Zuhilfenahme eines Kahnes, einige der besterhaltenen Pfähle aus der Erde zu ziehen. Sie bestanden sämtlich aus durchgehend tief schwarzem, im Innern sehr festen Eichenhol⸗ und waren ihrer Form nach nur soweit erhalten, wie sie in der Erde gesteckt hatten, also unausgesetzt unter Wasser gewesen waren. Da diese Pfahl- enden in ihrer ganze Länge zugespitzt waren, so konnte die ursprüngliche Stärke der Pfähle nicht mehr festgestellt werden, indessen muss dieselbe ziemlich bedeutend gewesen sein, da einer dieser Stümpfe (Taf. II, Fig. 4) bei einer Länge von 80 cm an der stärksten Stelle noch einen Durchmesser von 30 cm zeigte. Die Zuspitzung war mit quadratischem Querschnitt so ausgeführt, dass die Pfahlspitze ziem- lich genau den viereckigen eisernen Schuhen entsprach, welche die Römer beim Bau der Rhein- brücke bei Mainz verwendeten(Taf. II, Figur 5). Dass aber auch unsere Pfähle mit ähnlichen Schuhen armiert waren, geht daraus hervor, dass die Pfahlspitze etwa 15 cm von ihrem Ende mit einer circa 1 cm starken Durchbohrung versehen war, welche wohl nur den Zweck gehabt haben kann, zur Befestigung des Schuhes zu dienen. Lässt nun schon die Lage dieses Fundes zum Pfahlgraben, sowie die erwähnte UÜbereinstimmung der Pfähle mit denen der Mainzer Brücke, un- bedingt darauf schliessen, dass wir hier die letzten Reste eines römischen Bauwerks vor uns haben, so tritt noch eine Reihe weiterer Umstände hinzu, die diese Annahme vollauf bestätigen.
Dass die Pfähle ein sehr hohes Alter haben, ergibt schon ihre Beschaffenheit. Fassen wir ferner die wahrscheinliche Bestimmung derselben ins Auge, so sind in dieser Hinsicht nur zwei Möglichkeiten vorhanden, entweder dienten sie zur Herstellung eines Brücken- joches oder einer Uferbefestigung. Der letztgenannte Zweck aber erscheint schon deswegen gänz- lich ausgeschlossen, weil nicht anzunehmen ist, dass man gerade an dieser abgelegenen Stelle je- mals Veranlassung hatte, eine so kostspielige Uferbefestigung aus eingerammten eichenen Pfählen anzulegen; auch ist nicht einzusehen, aus welchem Grunde man in einem solchen Fall nur eine so kurze Strecke des Ufers in ganz aussergewöhnlicher Weise befestigt haben sollte. Dagegen entspricht die Ausdehnung der Pfahlreihe, sowie die Verwendung gerade solcher Pfähle, vollkom- men denjenigen Anforderungen, welche man nach diesen Richtungen für die Herrichtung eines Brückenjoches stellen musste, und wir glauben hieraus folgern zu müssen, dass nur dieser Zweck thatsächlich vorgelegen haben kann. Da nun aber niemals an dieser Stelle eine öffentliche Ver- kehrsstrasse vorhanden gewesen sein kann, weil dieselben durch das 1 km breite Uberschwemmungs- gebiet der Kinzig geführt hätte, so indizieren auch diese Erwägungen den römischen Ursprung der Brücke und den Zusammenhang der letzteren mit dem Pfahlgraben.
Aber noch in neuester Zeit fanden wir bei einer nochmaligen Besichtigung dieser Stelle weitere Anhaltspunkte für die Richtigkeit der ausgesprochenen Ansichten. Es war uns nämlich bereits früher aufgefallen, dass nur an der nördlichen Seite des Flusses Pfahlreste aufgefunden wurden, während auf der südlichen durchaus keine Anzeichen für die frühere Existenz einer Brücke sprechen. Diese Thatsache ist aber erklärlich; denn wenn wir von dem höher gelegenen Rückinger Ufer das jenseitige übersehen, so bemerken wir an der Terraingestaltung sehr deutlich, dass das Bett der in früheren Jahren wasserreicheren Kinzig— sei es auf natürlichem oder künstlichem Wege— an der letztgenannten, von der Strömung weniger berührten Seite eine nicht unerheb- liche Verengung erfahren hat. Die Begrenzung des alten, breiteren Flussbettes ist an einer ent- sprechenden Abstufung des südlichen Ufers so deutlich erkennbar, dass man hier die vormalige Breite des Flusses noch ganz genau feststellen könnte. Es ist nun begreiflich, wo die vermissten Pfahlreste geblieben sind; sie stecken, falls sie überhaupt noch vorhanden sind, in dem Sande des Flussufers und würden bei einer Nachgrabung an dieser Stelle sicherlich gefunden werden.


