Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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der südliche dagegen dieselben Anzeichen für Feuerstellen wie bei Turm C aufwies. Die aus Basaltsteinen bestehenden Turmfundamente waren gut erhalten und gaben, bei durchweg gleicher Mauerstärke von 1 m, einen quadratischen Grundriss von 5,50 m äusserer und 3,50 m innerer Weite. Die Mauerfluchten lagen parallel, bezw. senkrecht zum Pfahlgraben. Die Obermauer, von welcher noch zahlreiche Trümmer vorhanden waren, bestand aus Kalksteinen in Mörtelverband.

Ist es nun selbstverständlich, dass bei einer so vollkommenen UÜbereinstimmung der Reste dieser benachbarten Türme auch vollkommen gleiche Anlagen vorausgesetzt werden müssen, so er- blicken wir in dem Umstande, dass in beiden Fällen der zugehörige Hügel auf der Südseite lag, einen neuen Beweis, dass letzterer für den Aufenthalt der Wachtmannschaften eingerichtet war, da die Römer bekanntlich überall mit Vorliebe für ihre Wohnungsanlagen die Sonnenseite aus- wählten.

Turm E(Taf. II, Figur 7). Entfernung vom Turm D 800 m, vom Grenzwall 25 m. Der- selbe liegt hart an dem ganz flach abfallenden Südrande des Doppelbiergrabensumpfes und zwar so tief, dass das untere Stockwerk der Nässe wegen wohl kaum bewohnbar gewesen sein dürfte. Das vollkommen erhaltene Turmfundament entspricht in jeder Richtung dem vorigen, nur beträgt die Mauerstärke hier 1,1 m, der Durchmesser im Lichten 3,70 m, die äusseren Seitenlängen also 5,90 m. In den Trümmern der Obermauer mit welchen das Fundament bedeckt war, fanden sich wiederum reichlich Kalksteine, Mörtel und Gefässreste vor, ferner Brocken von Backsteinen, die jedoch nicht mehr die ursprüngliche Form der letzteren erkennen liessen, und ein eiserner Stilus.

Turm F(Taf. II, Figur 6). Entfernung vom Turm E 900 m, vom Grenzwall 40 m.

Dieser Turm ist, wie wir sehen werden, aus verschiedenen Gründen der bei Weitem interes- santeste an unserer Limesstrecke, desshalb wurde demselben sowie seiner nächsten Umgebung durch eine mehrtägige Ausgrabung eine besondere Aufmerksamkeit zugewendet.

Etwa 200 m von dem nördlichen Rand des Doppelbiergrabensumpfes liegt eine dünenartige Bodenerhebung von 1 bis 2 m Höhe, welche nahezu einen Kreis, von etwa 40 m Durchmesser bil- det und mit ihrer Ostseite den Pfahlgraben fast berührt.

Der Südrand dieses Hügels ist, zum Teil in einer Schicht von 1 m Stärke, mit Mauer- trümmern aller Art, vorzugsweise rohen und zugerichteten Kalksteinen, bedeckt. Letztere, welche einst der Obermauer des Wachtturmes angehörten, sind hier in solchen Massen vorhanden, dass man aus diesem Material wohl nahezu ein Bauwerk, wie es auf Taf. II, Figur 10 dargestellt ist, auf dem vorhandenen Basaltfundament errichten könnte.

Nach Wegräumung der Trümmer traten 75 cm unter der Erdoberfläche, sehr gut erhaltene Mauerreste zu Tage und zwar, ausser dem 1 m tiefen Fundament, auch noch Stücke der Ober- mauer. Form, Lage und Abmessungen des Grundrisses waren genau gleich denen des Turmes D.

Unter den obenerwähnten, durch umfangreichere Ausgrabungen festgestellten fünf Türmen ist dieser der einzige, welcher zweifellos durch Feuer zerstört worden ist, denn in Höhe des Funda- mentsockels fand sich, und zwar nur im Innern des Turms, eine 10 15 em starke, scharf be- grenzte schwarze Brandschuttschicht vor, welche zahlreiche Gefässreste und Nägel enthielt. Dieser Umstand ist in sofern von Bedeutung, als derselbe mit einiger Sicherheit darauf schliessen lässt, dass Holz nur für den inneren Ausban des Turms verwendet worden ist, da bei der Zerstörung des Gebäudes jedenfalls auch einige Brandtrümmer ausserhalb desselben niedergefallen wären, wenn über dem massiven unteren Stockwerk ein Holzbau vorhanden gewesen wäre. Einen weiteren Anhalt für die Bauart dieses Turmes gewährte die Auffindung mehrerer Dachziegel, wodurch die

Eindeckung desselben bestimmt ist. 34