Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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wenigsten der verdiente Verfasser selbst glauben. Denn je eingehender man sich mit dieser in den letzten Jahren so eifrig und erfolgreich aufgenommenen Forschung beschäftigt, um So. mehr wird man die Beobachtung machen, dass jedes gewonnene Resultat neue Rätsel aufgibt, neue Zweifel entstehen lässt, zu neuer Thätigkeit reizt. So möge man es uns denn nicht als Anmassung aus- legen, es nicht als einen Tadel gegen das verdienstvolle Werk ansehen, wenn wir unsere Arbeit, die einen der bis vor wenigen Jahren dunkelsten Abschnitte des Pfahlgrabens pehandelt, mit der Bemerkung einleiten, dass sie sich zur Aufgabe stellt, einige der bei der Lektüre des genannten Buches uns entgegentretenden Rätsel zu lösen, in manchen Punkten die Angaben desselben zu berichtigen, in weit zahlreicheren sie zu ergänzen.

Gegenstand dieser Arbeit ist die Mitteilung der Resultate der Ausgrabungen, welche der Hanauer Bezirksverein in den Jahren 1883 und 1884 am Pfahlgraben zwischen Kinzig und Main und an den grossen Kastellen zu Rückingen und Marköbel vorgenommen hat. Zwar war Herr v. Cohausen vor Beendigung des Drucks von uns durch Übersendung der ihm erwünschten Angaben und Zeichnungen in die Lage versetzt, die Ergebnisse unserer Ausgrabungen in Rückingen für sein Werk zu verwerten¹) und auch den Plan des dort aufgedeckten Kastells als letzte Tafel seinen Abbildungen hinzuzufügen.²) Die ganze Anlage seines Werkes aber prachte es mit sich, dass in demselben die Resultate nur im Allgemeinen angegeben werden konnten, während gerade die detaillierte Darstellung solcher Ausgrabungen manches Interessante bietet und allein im Stande ist, uns Aufschlüsse über die Kulturverhältnisse in diesem vorgeschobenen Grenzgebiete zu geben.

Die neuesten Entdeckungen in Grosskrotzenburg aber und die Aufdeckung des Marköbeler Kastells und seiner Umgebung fallen erst in die Zeit nach dem Erscheinen des v. Cohausenschen Werkes und werden hiermit den Fachgenossen zum ersten Mal in ausführlicher wissenschaftlicher Bearbeitung vorgelegt.) Wir dürfen daher hoffen auch nach dem Erscheinen des ersteren dem Leser manches Neue zu bieten.

So wenig wir aber unsere Ausgrabungsthätigkeit als abgeschlossen betrachten, so wenig bean- spruchen wir in dieser Arbeit eine abschliessende Lösung aller sich darhjetenden Fragen zu geben und bitten dieselbe als das aufzunehmen, was sie sein will: als einen schlichten Bericht über unsere Ausgrabungen und ihre Ergebnisse. Wenn dabei auch hier und da subjektive Beobachtungen und Vermutungen der Verfasser, die sich diesen bei der Arbeit aufdrängten, Platz gefunden haben, so überlassen wir ihre Würdigung der Kritik des Lesers, eins aber glauben wir von demselben be- anspruchen zu dürfen, die Überzeugung, dass wir fleissig gesucht und untersucht und gewissenhaft nur das als thatsächlich angegeben haben, was wir als solches vertreten können.

Was die Ausführung der Ausgrabungen betrifft, so wurden dieselben bei Grosskrotzenburg, am Pfahlgraben und bei Rückingen von den Verfassern vorbereitet und von ihnen in Gemeinschaft

l) A. a. O. S. 47.

²) A. a. O. Tafel I, II.

²) Vorläufige Berichte über die Ausgrabungen in Rückingen und am Limes sind von mir veröffentlicht in der Westdeut- schen Zeitschrift für Geschichte und Kunst II, II, 211; II, IV, 420 ff. III, II, 174 mit Ergänzungen von Dr. Suchier und Akademiedirektor Hausmann. Ferner im Korespondenzblatt derselben Zeitschrift Jahrgang II, 1, 3; II, 6. 34; II, 10, 65; II, 11, 194; III, 4, 43. Uber Marköbel habe ich in der Didaskalia von 1884 Nr. 249 und 251 be- richtet. Eine zusammenfassende Darstellung des Gesamtergebnisses der Ausgrabungen des Vereins brachte die Ber- liner philologische Wochenschrift Jahrgang 1884, Nr. 51 und 52: Die Ausgrabungen des Hanauer Geschichtsvereins am römischen Grenzwall von Georg Wolff.