Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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Einleitung.

Seit wir die Resultate der im Jahre 1881 vorgenommenen Ausgrabungen zu Grosskrotzen- vurg der 6ffentlichkeit übergaben,¹) ist das damals längst erwartete Werk v. Cohausens erschienen,*) welches zum ersten Male den römischen Grenzwall in Deutschland in seiner Gesamtheit vom militärischen und technischen Standpunkte aus behandelt.

Vor allen Publikationen über das auch in seinen letzten verschwindenden Resten imponie- rende Denkmal der Römerherrschaft in Germanien hat die erwähnte den Vorzug, dass ihr Ver- fasser alle Theile des Limes, wenn auch nicht alle in gleicher Vollständigkeit, aus eigener durch technische Vorbildung geschärfter Anschauung kennt, während alle übrigen Limesforscher entweder nur einzelne Abschnitte des Werkes, die sie genau erforscht haben, beschreiben, oder die Anlage in ihrer Gesamtheit auf Grund des litterarischen Materials behandeln.

Es leuchtet ein, dass bei den erstgenannten Arbeiten die Gefahr, die auf einem kleinen Gebiete gemachten Beobachtungen in unberechtigter Weise auf das ganze Werk anzuwenden, ebenso nahe liegt als bei den anderen die, aus der Fülle der einander zum Teil widersprechenden Angaben und Hypothesen heraus nicht zu einer klaren Anschauung des thatsächlich Vorhandenen zu ge- langen. Beide Abwege vermeidet das genannte Werk und hilft sie denjenigen vermeiden, die sich seiner als Führer bedienen. Wer ohne Vertiefung in die bereits weitschichtige und zum Teil schwer zugängliche Litteratur sich ein Bild von der Beschaffenheit der ganzen Anlage und ihrer Bedeutung für die Verteidigung des Reiches machen will, wird das Buch mit dem wohlthuenden Gefühle lesen, sicheren Boden unter den Füssen zu haben; der Detailforscher aber wird nicht nur technische Anleitung zur Erklärung der eigenen Beobachtungen finden, sondern auch, zumal aus den beigegebenen Abbildungen, die Möglichkeit gewinnen, diese Be0eobachtungen mit den an anderen Orten gemachten zu vergleichen und auf ihre Richtigkeit und ihren Wert zu prüfen. So ist un- zweifelhaft durch das Werk eine neue sichere Grundlage für die gesamte Limesforschung gewonnen. Dass aber dieselbe damit abgeschlossen sei, das wird kein Kenner dieser Disziplin, das wird am

¹) Vgl. Das Römerkastell und das Mithrasheiligtum von Grosskrotzenburg am Main nebst Beiträgen zur Lösung der Frage über die architektonische Beschaffenheit der Mithrasheiligtümer, von Dr. Georg Wolff. Dazu: Die römischen Münzen, Stempel und Graffite von Grosskrotzenburg und der Umgegend von Hanau, von Dr. Reinhard Suchier. Festschrift der XXXI. Generalversammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, Kassel 1882. Zugleich als VIII. Supplementheft(N. F.) der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde herausgegeben.

²) Der römische Grenzwall in Deutschland. Militärische und technische Beschreibung desselben von A. von Cohausen. Mit 52 Folio-Tafeln Abbildungen, Wiesbaden 1884.

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