erst kürzlich erschlossen worden sind¹). Wir erfahren durch sie, daß jũdische Kaufleute, in Gesellschaften vereinigt, durch Rußland ziehen, um daselbst schon im voraus die ganze Pro- duktion an Kleidern, besonders an Mänteln, aufzukaufen, daß sie aus den entferntesten ungarischen Orten Waren nach Mainz exportieren ²), daß sie mit Gold und Edelsteinens), mit Fellen und Handschuhen, mit Wein und Getreide, mit Pferden usw. handeln. Ihnen gehören Schiffe, die gesalzene Fische vom Orte des Fanges nach den Küstenstädten bringen), wie sie überhaupt am See- verkehr stark beteiligt sind. Sie sind stetige Besucher der Messen, besonders der zu Köln, zu Mainz und zu Frankfurt.
Daß gerade Frankfurts Messen von der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts an von den Juden eifrig besucht wurden, hatte nicht zum wenigsten seinen Grund darin, daß Kaiser Hein- rich IV. die J uden von Worms, die ihn offenbar in seinen schweren Kämpfen finanziell unterstützt hatten,„Sowie die übrigen Worm- sern“ an der königlichen Zollstätte zu Frankfurt, ebenso an anderen, von jeder Zollabgabe befreit hattes). Hier konnten die Juden den Oberfluß der Ernte an Wein, Flachs, Getreide und sonstige land- wirtschaftliche Erzeugnisse gegen ihre Waren eintauschen').
So war der Jude in Deutschland bis tief ins Mittelalter in erster Reihe Kaufmann. Jude, mercator, negociator wurden als gleichbedeu- tend gebraucht und auf eine Stufe gestellt, wie aus zahlreichen Urkun- den hervorgeht*). Ebenso spricht sich R. Elieser b. Natan aus Mainz (c. 1150) aus:...„Der Handel dient zu unserm Lebensunterhalt“).
Bis ins XIII. Jahrhundert hinein behaupteten die Juden ihre herrschende Stellung im Großhandel, dank den Privilegien, die ihnen von Kaisern*) und Bischöfen— ich erinnere nur an das
¹) Durch Moses Hoffmann in seinem Werk, Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters bis zum Jahre 1350, das auch die Beteiligung der Juden am Handel berührt.(Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen von G. Schmoller und M. Sering, 1910, Heft 152.)
²) Hoffmann I. c., S. 11 und 155.
¹) L. c. Nr. 159, S. 201.
¹) L. c. Nr. 156, S. 199.
5).. Teloneum siquidem, quod teutonica lingua interpretatum est zol, quod in omnibus locis regiae potestati assignatis, videlicet Franchenevurt... Judei et coeteri Uormatienses praetereuntes debiti erant, ne ulterius solvant, remisimus. Die Urkunde ist ausgestellt Worms 1074, Januar 18. Siehe auch Boos, Urkundenbuch der Stadt Worms I, S. 47.
⁶) Siehe Frankfurter Handelsgeschichte von Alex. Dietz, S. 22.
7) Siehe Aronius, Regesten zur Geschichte der Juden, Nr. 122, S. 52, Nr. 168, S. 69.
³) Hoffmann I. c., Nr. 47, S. 160.
²) Siehe Aronius I. c., Nr. 170, S. 71, Absatz 4, wo es heißt, den genannten Juden ist gestattet, intra ambitum regni nostri(sc. Heinrichs IV.) libere et pacifice discurrere, negocium et mercimonium suum exercere, emere et vendere et nullus ab eis thelonium exigat vel privatam repetat; ferner das Privileg Kaiser Heinrichs an die Wormser Juden vom Jahre 1090 1. c., Nr. 191, S. 74; das Privileg Heinrichs V. vom Jahre 1102 1. c., Nr. 215,
S. 99, das Privileg Friedrichs I. für die Wormser Juden vom Jahre 1157 1. c., Nr. 280, S. 123; das Privileg vom Jahre 1182 für die Regensburger Juden, Nr. 315, S. 139.


