Seitdem der verstorbene Karl Halling im jahr 1828 in der einleitung zu seiner aus- gabe von Fischarts glückhaftem schiff eine zusammenstellung der(ihm) bekannten werke Fischarts gab und hr. v. Meusebach in der recension von Hallings buche in der Allge- meinen Literaturzeitung 1829 no. 55— 56 jene zusammenstellung berichtigte und ergänzte, ist die literarische kunde von Fischart nicht erweitert worden ¹). IHallings arbeit, welche von v. Meusebach als der erste versuch eines jünglings sehr milde beurteilt wurde, so übereilt unreif und mangelhaft sie auch ist ²), bleibt darum noch jetzt, nach achtzehn jahren der unvermeidliche literarische codex für die literatur Fischarts. Es scheint nicht als ob theilnamlosigkeit die ursache dieser gänzlichen unfruchtbarkeit auf einem der an- Ziehendsten gebiete der literatur des 16. jabrhunderts wäre, da noch immer für manche schriften Fischarts in den auctionen monströse preise gezahlt werden; aber die theilnahme, die sich in dem zahlen solcher preise kund gibt, kann doch für nichts anderes gelten, als für eine Fafnirtheilnahme, die eben ihren theil nimmt. damit wird nur die abge- schmacktheit der auctions- und antiquar-cataloge gerechtfertigt, welche diese schriften beharrlich als„Curiosa« aufführen, gleichsam als seien die letzten funfzig jahre gar nicht vorhanden gewesen, und als gehörten diese werke nicht dem literarischen verkehr, son- dern nur dem eigensinn sammelnder sonderlinge an, welche neben wunderlichen bücher- titeln auch pfeifenköpfe, tabaksdosen, splitter von Luthers bett, steine aus Tassos gefängnis oder gar aus Werthers grabe aufspeicherun. Mögen auch mauche samler nur zuwarten wollen, bis sie etwas vollständiges und abschliessendes veröffentlichen können: auch das ist bei der langsamkeit, mit welcher das sammeln dieser seltenheiten
1) allenfalls kommen in anrechnung die gelegentlichen bemerkungen von Gervinus welcher(3, 132) die bis dahin unbekannte(oder unbemerkte) Psalmenübersetzung Fischarts erwähnte und(S. 120) v. Meu- schachs annahme, dass der Finkenritter von Fischart sei, veröffentlichte, und von mir selbst Vorles. S. 346, wo der Anmanung gedacht wird.
2) die erklärung des glückhaften schiffes ist nicht besser, und durfte darum von 4. II. Haffmann
nicht, wie in der deutschen Philologie S. 217 geschehen ist, zu den„beispielen guter art« von her- mencutik und kritik gezählt werden.


