Aufsatz 
Deutsche Altertümer im Hêliand als Einkleidung der evangelischen Geschichte : Beiträge zur erklärung des altsächsischen Hêliand und zur innern geschichte der einführung des Christentums in Deutschland / von A. F. C. Vilmar
Entstehung
Einzelbild herunterladen

66

(gimälod); das ohr(hlust) ward ihm verhauen, er ward am haupte wund, dass schwert- blutig(herudrérag) kinnbacke(hlear) und ohr von schweren wunden sich spaltete (beniwundun brast). das blut sprang nach, es wallte von der wunde. da war au seiner wange versehrt(scard) der vorderste der feinde, da stand das volk raum gebend, sie fürchteten des beiles biss(billes biti); wobei man daran denken muss, dass das schwert wie ein lebendiges wesen angesehen wurde(Gr. 3, 440), gleichsam eine schlange, welche aus der scheide als aus ihrer höle fährt; billes bite auch Beov. 4115. In der mahnung Christi heisst es dann weiter, die engel wären so kriegskundig(wiges wise), dass auch die grösste heeresmacht(megin) des volkes, welches festen mutes(gifastnod) da stünde, die waffenarbeit derselben(wäpantreki, ein altes episches wort, Caedm. 1381²; Elene 106 und sonst, auch in andern zusammensetzungen vorkommend z. b. äscthräc, hildthräc, auch hier 145²²2 môdthraca wie Beov. 767) nicht aushalten(adogean) könnten. wer aber der waffen neid, den grimmen gerhass ausüben(frummean) wolle, der sterbe durch schwertes schärfe(suillit suertes eggiun) uud übergiesse sich selbst mit schlachtenblut. darauf legt(oder nach C. sogar leitet) Christus mit weiser kunst(mid listiun) das fleisch (lik) zusammen der hauptwunde, so dass geheilt wird des beiles biss.

Iu die reihe dieser alten kriegsausdrücke, formeln und schilderungen müssen wir eudlich auch diejenigen redensarten stellen, welche mit dem worte hél, sanus, salvus, gebildet sind. heil, unverwundet, im kampfe zu bleiben, unverwundet und siegreich aus dem kampfe in die heimat zurückzukehren, musste in den augen des stets zum kampfe gerüsteten und immer von neuem zur blutigen schlacht ausziehenden Deutschen das beste glück sein, heil vom hunger zu werden, die gröste wolthat. daraus erklärt sich eine gauze reihe meist alliterierender formeln: het awidar hetteandun wird 6918- 1* von Christus der besessene gemacht, es wird zwid thia fiund fridu gegeben; hebbian sie héele wird von dem cananäischen weibe gesagt, welches seine tochter heil habe 9218; hel endi hréni 6411 ist offenbar ein alter spruch, eben so gang thi hél(hinan) herod 119*, 166³3, von der ehebrecherin, welche Christus mit dieser formel entsendet, und von Christoso steig herab vom kreuze; man vgl. Otfr. 4, 24, 6 thaz thu sus làzi in heila hant thes keisores ſiant(d. h. ursprünglich: ohne ihm die hand abgehauen zu haben); handun gihélien 641; 69¹²2; hilp endi héli 167 11 anruf des schächers; héel an héömun lebt der erweckte Lazarus vgl. Byrhtn. 1294 hale to häme. hieraus muss auch der alte volksmässige gruss hel wis thu, welcher hier 8e in der annunciation vorkommt, erklärt und verstanden werden: er enthält offenbar die uralte anwünschung des schlachtenglücks; ein abstractes heil oder glück zu wünschen liegt wenigstens auf keinen fall in dieser formel. es muss hierfür ganz besonders in auschlag gebracht werden, dass das wort héelti(ahd. heili, ahd. heil) im Héliand keineswegs abstract als salus vorkommt: 111²24 und 112¹, wo es allein