Aufsatz 
Zur Geschichte des Klosters Wirberg / von [Karl] Glaser
Entstehung
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geſchehe, kraft ſeiner landesfürſtlichen Gewalt dem Unweſen ſteuern. Da die Vorſtellungen fruchtlos blieben, ſo erfolgte im Jahre 1497 durch den Landgrafen ſelbſt eine Refor⸗ mation vieler heſſiſchen Klöſter. Auch Wirberg wird unter ihnen genannt s) als ein Ort, in dem die geiſtlichen Jungfrauen mit Hülfe aller weltlichen Reize ein ausgelaſſenes ärgerliches Leben geführt hätten. Wir wiſſen nun zwar nicht, in welcher Weiſe die Wirberger Kloſterfrauen dieſen Vorwurf verdient haben, ob vielleicht dort ähnliche Scenen vorgefallen ſind, wie eine ſolche von Melander ³⁴) über das Nonnenkloſter Germerode erzählt wird genug, das Kloſter wurde in dem genannten Jahre geſchloſſen und erſt einige Zeit nachher wieder neu beſetzt. Aus dem Umſtande, daß ſeit 1498 mehrere Pröpſte mit dem Zuſatzevon Hirzenhain vorkommen, läßt ſich vermuthen, daß ſie von dort her Hirzenhain war ein Kloſter für regulirte Kanoniker des heil. Auguſtin und etwa 60 Jahre früher gegründet worden nach Wirberg berufen worden waren. Wahrſcheinlich war der Prior dieſes Auguſtinerſtifts ſelbſt bei der Reformation Wirbergs thätig geweſen. Nach Einführung der Reformation in Heſſen folgten im Jahre 1527 die Kloſterfrauen zu Wirberg dem Beiſpiele der übrigen Auguſtinerklöſter Heſſens und verließen ihre Zellen. Sie ver⸗ zichteten auf ihre Anſprüche und empfingen aus des Kloſters Gütern lebenslängliche Renten. Mit der damaligen Priorin Lenckel Wolfskehl traten zugleich aus die adeligen Jungfrauen Liſa Riedeſel, Sub⸗Priorin, Margaretha und Barbara von Rabenau, Catharina und Margaretha von Weitershauſen, Margaretha von Weiters, Gertrude von Nordeck, genannt Brunn, Elsgen Getha und Anna von Windhauſen, Anna und Catharina von Trahe, Liſa von Schwalbach, Anna von Merlau, Dorothea Schütz, und noch 9 unadelige Süſtern. Nur Amalie von Fiſchborn, früher Meiſterin des Kloſters, machte Schwierigkeiten und folgte erſt im Jahre 1529 dem Beiſpiele ihrer Ordensſchweſtern. In dieſem Jahre wurde das Kloſter Wirberg ſammt Einkünften für die Uni⸗ verſität Marburg beſtimmt und im Jahre 1540 völlig übergeben. Ein Vogt, der anfänglich in Wirberg wohnte, erhob die Gefälle und verwaltete das nunmehrige Univerſitätsgut zugleich mit den Antonitergütern in Grünberg, welche gleichfalls der Univerſität überwieſen worden waren. Im Jahre 1607 fielen beide der neugegründeten Univerſität Gießen zu.

Von den Kloſtergebäuden, die ohne Zweifel zum größten Theile im 30jährigen Kriege zerſtört worden ſind ⁵5³), ſowie von den mächtigen Mauern, welche das Kloſter umgaben und den ehemaligen Kloſterkirchhof und den Kloſtergarten einſchloſſen, ſind kaum einige Spuren geblieben als ſprechende Denkmale des Geiſtes der Vorzeit und der Vergänglichkeit aller menſchlichen Werke.

) Schmincke, Monimenta hassiaca T. II, p. 566. Kuchenbecker, Anal. hass. Coll. VI, p. 403. ³¹) Melander, Jocoseria(Francof. 1626) P. II, p. 220.

⁵³) Wenigſtens iſt nach einem Berichte des Pfarrers Caspar Reiz zu Wirberg vom Jahre 1694, den Pfarrhausbau betreffend, das dortige Pfarrhaus im Jahre 1635 gänzlich ruinirt worden. Daß Pfarrhäuſer und Kirchen damals in der Umgegend von Grünberg verwüſtet worden, meldet auch der Zeitgenoſſe Pfarrer Johann Roſarius zu Grünberg(ſiehe meine Geſchichte von Grünberg S. 161).

Die Kirche zu Wirberg war vor etwa 120 Jahren ein Schutthaufen, der Thurm eingeſtürzt und nur ein vor der Kirche ſtehender Kreuzgang, mit rothen ſteinernen Säulen und offenen Bogen geziert, bewahrt geblieben, welcher auf den Seiten zugemauert und nothdürftig zum Gottesdienſte zugerichtet worden war. So berichtet Ayr⸗ mann in ſeinen Collectaneen Nr. 25. Die jetzige Kirche iſt erſt im vorigen Jahrhundert erbaut worden. 4

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