Aufsatz 
Zur Geschichte des Klosters Wirberg / von [Karl] Glaser
Entstehung
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I.

Der Urſprung des Kloſters Wirberg ¹) iſt lange Zeit in Dunkel gehüllt geweſen. Noch Ayrmann ¹²) ſpricht auf den Grund einer handſchriftlichen Deduction, die ihm aus dem Darm⸗ ſtädter Archive zugeſchickt worden, die Vermuthung aus: es ſei wahrſcheinlich zu Anfang des 13. Jahrhunderts oder wohl eher von einem thüringiſchen Landgrafen angelegt worden. Inzwiſchen dürften nunmehr Zeit und nahere Umſtände der Entſtehung dieſes Kloſters mit Sicherheit zu ermitteln ſein.

Der anonyme Lebensbeſchreiber des heiligen Gottfried von Kappenberg, des Stifters des Kloſters Ilbenſtadt, erzählt von deſſen Bruder, Grafen Otto von Kappenberg, Folgendes:

Cujus germanus Otto cum esset apud Elofstat, illis in partibus divinae

servitutis cultum dono Dei ampliavit. Manegoldus enim, vir nobilis et potens, cujus erant castra duo, Hagen et Wirberg, ab adversariis suis una cum filio interemptus est. Remansit autem totius possessionis heres unica filia, nomine Aurelia. Quam multis uxorem petentibus(erat enim satis elegantis formae) venit Otto et dato ei perpetuae castitatis consilio noctu eam non sine vitae periculo vo- luntariam abduxit. Deinde pontificali et regali auctoritate subnixus multis et variis exegit laboribus, quod simul cum Aurelia hereditas tota divinis ministeriis manci- pata est. Castrum igitur Hagen ipse delevit incendio, in altero autem fratrum et sororum hodie viget religio ³).

Hiernach war es alſo Otto von Kappenberg, der Aurelia, eine hinterlaſſene Erbtochter des Ritters Manegold, zur Eheloſigkeit beredete und dem es nach mancherlei Schwierigkeiten gelang, die Burg Wirberg in ein Kloſter umzuwandeln.

Wenn wir allerdings im Allgemeinen auf Nachrichten, die ein unbekannter Legendenſchreiber überliefert hat, kein gar großes Gewicht legen, ſo liegt doch kein Grund vor, weshalb wir bezüglich der hier mitgetheilten Thatſachen, was das Hauptſächliche betrifft, mißtrauen ſollten. Der insbe⸗ ſondere durch den heiligen Norbert zu Anfang des 12. Jahrhunderts neu entzündete Eifer, Klöſter

¹) Der Name Wirberg lautet in den älteſten Urkunden Werberg, Wereberc, auch Werberch, und im Munde des Volkes noch jetzt Werberg. Ayrmann erklärt den Namen als vonWehre berzuleiten, weil vielleicht hier vorher ein Schloß geweſen, welches von ſeiner vortheilhaften Situation Wehrburg geheißen; oder: es bedeute ſoviel als mons virginis, weil dieſes Kloſter der Jungfrau Maria zu Ehren erbaut worden. Von der letzten Deutung ganz abgeſehen würde ich auch auf die erſtere kein Gewicht legen, wenn nicht eine anerkannte Autorität, Herr Profeſſor Dr. Weigand in Gießen, ſich für ſie erklärte(Archiv f. heſſ. Geſch. u. Alterth. B. VII, S. 283). Wereberg iſt alſozum Berge der Schutzwehr, mhd. were= Wehre. Bemerken muß ich hier, daß eineLandwehr, wie ich an einem anderen Orte angeführt habe(Archiv B. V, S. 27 ff.), etwa eine halbe Stunde von Wirberg, von der Rabenau kommend, vorbeizog, und dürfte hierin die Erklärung Weigand's auch einen geſchichtlichen Anhalt gewinnen. Ich würde ohne dieſes an den Eigennamen Wero gedacht haben. ²) Ayrmann ſchrieb eine Nachricht von dem Kloſter Wirberg, ſiehe Kuchenbecker Analecta hassiaca Coll. VI, p. 443 ff., wo dieſelbe aufgenommen iſt.

³) Acta Sanctorum coll. Bollandus, Antw. 1643. Tom. I, p. 850.