11
der Strafen und Belohnungen namentlich in Bezug auf Fleiß und Lernen eutbehren könnte. Aber die Schule ſoll noch gefunden werden, die bei einer irgend gro⸗ ßeeren Anzahl von Schulern und einer Mehrzahl von Leh⸗ rern,— denn nicht jedem ſind die pädagogiſchen Gaben ver⸗ liehen,— eines ſolchen Gelingens ſich ruhmen töͤnnte. Der Lehrer erhäͤlt ſeine Schüler von ſo verſchiedenen Cindrucken aus den häuslichen Kreiſen her beſtimmt, von ſo verſchie⸗ denartigem vorhergegangenem Unterricht inſtuirt, Energie oder Leichtſinn des Charakters haben ſich bis dahin ſchon ſo befeſtigt, Lockungen und Zerſtrenungen ziehen an, die Unter⸗ richtsgegenſtände ſind an ſich, auch bei dem beſten Willen des Lehrers, dem Kinde oſt unintereſſant und trocken, z. B. fremde Sprachen, und ohne jenen Reiz des Zuſammenhanges und ſtetigen Fortſchreitens, den die Mathematik allein ſo einzig in ihrer Art gewähren kann, ſie erfordern oft ſo bedeutende Anſtrengungen von Seiten des Lernenden, ohne daß er de⸗ ren Nutzen einſehen kann, 3. B. beim Latelniſchen u. ſ. w.: daß vorerſt uoch Strafen und Belohnungen ein nothwendi⸗ ges Uebel der Schulen bleiben werden.
Hinſichtlich der Anwendung nun von Strafen und Be⸗ lohnungen herrſcht in den pädagogiſchen Schriften eine große Verſchiedenheit der Anſichten. Die richtige Entſcheidung ziu nreffen, ſcheint nicht ſo ſchwer zu ſeyn, wenn wir auf die Wirkung beider ſehen. Der Strafe iſt eigenthumlich, daß ſe ſchwächt, abſchreckt, muthlos macht, ihre Wir⸗ kung iſt negativer Art. Dagegen die Belohnung erre⸗ gend oder poſitiv wirkt. Wo daher Strafen einmal un⸗ vermeidlich geworden ſind, da durfen ſie nur eintreten, wo ſte abwehren, beſchränken u. dgl., im Allgemeinen alſo beim Betragen, bei Begierden, Uebertretungen u. ſ. w. Da⸗ gegen Belohnungen hauptſächlich beim Lernen auwendbar erſcheinen, wo Ermunterung nöthig iſt. Strafen erzeugen beim Lernen nur Mißmuth und Abneigung, und ſelbſt


