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dieſer Stämme ſelbſt aus. Verſchiedene Gründe mögen mitgewirkt haben, um dieſe ganze Völkerwelt nach einer Richtung hin zu treiben. Was bei dem einen die Noth, das bewirkte bei dem andern das Gefühl ſeiner Kraft, bei dem dritten der Haß ge⸗ gen Rom, und während das eine nur Beute und Ruhm zu erlangen trachtete, ſuchte das andere bleibendere Vortheile zu gewinnen.
Die vornehmſte Triebfeder aber und die wahre Quelle des Krieges war der Drang der Donaubölker, eine ihrer Macht entſprechende Stellung einzunehmen, das Bedürfniß derſelben, ihre Grenzen zu erweitern, um Raum für ihre Volksmenge und aufſtrebende Volkskraft zu gewinnen.(ſ.§. 1.) Das Ziel dieſer Völker war kein geringeres, als die Römer ganz aus den Donauprovinzen zu vertreiben; und der Markomannenkrieg kann daher als der erſte Verſuch des Deutſchen Volkes betrachtet werden, auf dem Boden des Römiſchen Reiches eine neue Germaniſche
Herrſchaft aufzurichten.—.
S. 5. Ueber die Quellen der Geſchichte des Markomanniſchen Krieges.
Ehe ich nun zur Darſtellung der Kriegsbegebenheiten ſelbſt übergehe, glaube ich noch einige Worte über das Verhältniß, in welchem dieſe Arbeit zu den Quellen ſteht, ſagen zu müſſen. Benußt habe ich außer den Hauptgeſchichtſchreibern dieſes Krieges, dem Dio Kaſſius und Julius Capitolinus, noch alle mir bekannten alten Schriftſteller, die nur eine hierhergehörige Nachricht enthalten.— Bei der Unter— ſuchung dieſer Quellen bin ich immer von Julius Capitolinus ausgegangen, habe ſeine unbeſtimmten Angaben zu Grunde gelegt, und dieſe dann durch die Nachrichten der übrigen zu beſtätigen, zu erklären oder zu berichtigen, zugleich aber zu ergänzen und zu beleben geſucht. Ob dies Verfahren das rechte war, wage ich nicht zu ent⸗ ſcheiden. Doch bewog mich hierzu ſchon meine Ueberzeugung von der Glaubwürdig⸗ keit des Schriftſtellers, der in ſeinen Biographien nur ältere, zuverläſſige Werke excerpirt und meiſt nur fremde Gedanken und dieſe oft auch mit fremden Worten gibt. Ich konnte aber auch um deßwillen nicht gut einen andern Weg der Unter⸗ ſuchung einſchlagen, weil nur bei Julius Capitolinus ſich Nachrichten über alle Theile und Zeiten des Krieges finden, aus ihm alſo allein eine vollſtändige Ueberſicht desſelben gewonnen werden kann. So iſt dieſer Schriftſteller :— 2*—


