Aufsatz 
Über die Markomannischen Kriege unter Marc Aurel / von ... Jacobi
Entstehung
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Vordringen der Sachſen, das die Völker bis zur Donau, ja bis zum Schwarzen Meer aufregen konnte, hätte doch, ſo ſollte man meinen, noch weit größere Bewe⸗ gungen unter den Germaniſchen Stämmen zwiſchen Rhein und Elbe hervorbringen müſſen, da dieſe den Sachſen weit näher waren und von ihren Eroberungen weit ſtärker berührt werden mußten, als die fernen Sueviſchen und Bimaüſſihen u. ſ. w. Völker.

Aber gerade unter den Stämmen im Weſten Deutſ hlands iſt, wenn man die Chatten, die Nachbarn der Hermunduren ausnimmt, faſt gar keine Aufregung wahr⸗ zunehmen, und am Rhein herrſcht, einige ſchnell vorübergehende Störungen abgerech⸗ net, faſt während der ganzen Dauer des Markomannenkrieges Frieden. ¹)

Wollte man aber auch auf dieſen Umſtand gar kein Gewicht legen, ja wollte man ſelbſt zugeben, daß vermöge der Richtung, in welcher die Sachſen vordrangen, und in Folge anderer, uns unbekannter Verhältniſſe, die Bewegung vom Norden aus ſich ausſchlieslich nach Südoſten und Oſten habe fortpflanzen können, ſo würde die Hypotheſe dennoch um nichts wahrſcheinlicher und annehmlicher werden. Denn welche ungeheueren Völkerſchwärme mußten das geweſen ſein, welche die mächtigen und zahlreichen Sueviſchen und Vandaliſchen Nationen nöthigen konnten, ſich auf das Römiſche Reich zu ſtürzen und mit dieſem einen Kampf auf Leben und Tod zu beginnen, um nur den furchtbaren Angriffen von Norden her zu entgehen. Der ganze deutſche Norden, die Sachſen mitgerechnet, wäre dazu kaum ſtark genug geweſen, und nun ſoll dies von einigen wenigen vertriebenen, gebrochenen Stämmen aus, wer weiß welchem, Winkel an der untern Elbe bewirkt worden ſein. Denn

daß die Eroberungen der Sachſen ſich damals nur auf die Gegenden zwiſchen der unteren Elbe und der Oſtſee erſtrecken konnten, kann nicht bezweifelt werden.

Die Bedenklichkeiten und Zweifel gegen die erwähnte Hypotheſe werden vermehrt, wenn man die Ausſagen der Quellen über das Verhalten der Deutſchen Völker in dieſem Kriege aufmerkſam betrachtet. Nirgends findet ſich auch uur die leiſeſte

¹) Nur einmal und zwar noch vor dem Ausbruche des Markomanniſchen Krieges fallen die Chauken und Chatten wahrſcheinlich zu einer Zeit(da Didius Julianus beide beſiegte) in die Galliſchen Laͤnder ein. Vergleiche Spart. in. Did. Jul. c. 1. Capit. in Marc. c. 8. ſiehe auch unten§. 6 und§. 9..