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eine xhnliche Verfügung in Betreff der Landgemeinden erlafsen, wo die Ortsdiener, Tagewächter und Gensdarmerie-Sectionen zu desfallsiger Achtsamkeit und Anzeige angewiesen sind, insofern Gymnasiasten in Wirthshäusern erblicken lafsen sollten. 4 Der ordentliche Gymnasiallehrer Dr. Kilian TVolf glaubte nach dem Gebrauche der Heil- quellen in Ems seiner Wiederherstellung entgegenzusehen, wurde aber schon im September auf das Rrankenlager zurückgeworfen, von dem er sich nicht wieder erheben sollte. Geboren den 1 Januar 1902 zu Hattenhof, wo sein Vater Schullehrer war, besuchte er 1317 das hiesige Schul- lehrer-Seminarium; da er aber seinen Beruf für die hœheren Schulwifsenschaften wenn gleich erst spæt erkannte, so gieng er 1320 auf hiesige Gelehrtenschule über, und widmete sich auf den Uni- versitœten zu Marburg und Göttingen der Philosophie, Philologie und Geschichte. Seit dem Jahre 1329 am hiesigen Gymnasium als ordentlicher Lehrer angestellt verwaltete er sein Amt stæts mit pünktlichster Gewiſsenhaftigkeit und unverdrofsener Redlichkeit. Ungeachtet seines durch lang- wierige Leiden zerrütteten Rörpers wollte er doch im letzten Jahre seines Lebens immer noch mehr Arbeiten für die Schule übernchmen, als er zu ertragen im Stande war: nur mit Mühe vermochte ihn der Director zur Uebernahme einer geringeren Anzahl wöchentlicher Lehrstunden zu bestim- men; ja selbst schon aufs äufserste von seinem Siechthum gedrückt bestieg er immer noch mit schwankendem Schritte und halbgebrochener Stimme den Lehrstuhl, bis zuletzt der starke Wille seines Geistes der Iinfälligkeit des Leibes vollends unterlag. Am 28 November Abends gegen 3 Uhr entschlummerte er sanft mit dem Gefühle eines ruhigen Gewifsens und im Bewuſstsein eines wahrhaft religiœsen, gottergebenen Lebenswandels, gleich weit entfernt von scheinheiliger Gleisnerei als freigeisterischem Unglauben.—.
Aber dieses sollte nicht der einzige Schlag sein, welcher das Gymnasium wahrend des ver- floſsenen Schuljahrs getroffen hat: im August und September erkrankten bald nach einancdker dice Gymnasiallehrer Neuhof und lee, so dafs ihre Lectionen längere Zeit von ihren Collegen ver- treten werden mufsten. Am 17 November übernahm der Rector der Stadtschule zu Homberg Dithmar, und am 16 Februar der Seminarlehrer Pfarrer Fenner zu Sehlächtern auf unbestimmte Zeit einen Theil des Unterrichtes. Dafs solche durch den Drang der Umstände gebotene, wieder- holte Abänderungen des eingeführten Lehrplans mit den nachtheiligsten Folgen für den regel- mæſsigen Verlauf des Unterrichtes verbunden sind liegt klar am Tage. Wir erwarten daher von der hohen Weisheit und unermüdlichen Fürsorge Rurfürstlichen Ministeriums daſs die schon über ein Vierteljahr durch den Tod des Dr. 7I olf erledigte Lehrstelle recht bald durch einen tüch- tigen zur Ertheilung des sprachlichen und geschichtlichen Unterrichtes auch in den oberen Classen befæhigten Philologen wieder besetzt werden möchte..
Am 4 Februar feierten wir das Andenken an den Stifter unserer Schule HAIVUS MAURDS durch Gesang und Declamation: der Primaner Petri sprach über den Einflufs Rarls des Grofsen auf die Gründung Deutscher Bildungsanstalten, insonderheit die Rlosterschule zu Fnlda, Emmerling de civitate Athenarum omnis humanitatis parente, Halbleib über die Lateinische Litteratur unter Augustus, der Secundaner Kobel feierte das Andenken an seinen Lehrer Dr. Rilian Wolf, Ebert schilderte die vorzüglichsten Charaktere in Gœthes Hermann und Dorothea, 7 alduer trug A. W. v. Schlegels Arion und der Tertianer Klüber Schillers Rampf mit dem Drachen vor.
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