Jahresbericht
ꝛber das Gynmasinum zu Fulda von Ostern 1836—37.
Einleitung.
Den ersten Grundstein zu der ältesten Schule Deutschlands legte wahrscheinlich schon Win- frid Bonifacius im Verein mit seinem eifrigen Zœgling Sturmius, dem ersten Abte des Be. nedictiner-Rlosters zu Fulda: allein erst eigentlich ins Leben trat diese RKlosterschule durch ebenso kräftige als aufrichtige Einwirkung Rarls des Grossen unter der segensreichen Leitung des Hrabanus Maurus. Als derselbe im Jahre 322 zum Ahbte geweæhlt war, setzte er seinen Schüler Walafrid Strabus der Lehranstalt vor, nahm aber auch immer noch selbst Antheil am Jugendunterrichte. So ward Fulda schon zu Anfange des neunnten Jahrhunderts der Mittelpunct Deutscher Gelehrsambeit, wie denn allmæhlig, zum Theil unmittelbar von hier aus gestiftet, zum Theil aufs neuc angeregt und mit Lehrern besetzt, die Rlosterschulen zu Hirschau, Reichenau, Weis- senburg(Oifrid), IIersfeld u. a. erstanden. Die weltberühmte Bibliothek zu Fulda macht es wahr- scheinlich, dafs das von Hraban angeregte wiſsenschaftliche Streben noch eine geraume Zeit hin- durch im Mittelalter fortdauerte, bis zuletzt auch hier die alte Einfachheit und mit ihr der Ruhm und Glanz der Schule zu Grabe gieng. Als spæter die Jesuiten eine günstige Aufnahme fanden, ward das gelehrte Schulwesen vorzugsweise ihren Händen anvertraut. Im J. 1754 stiftete Fürstabt Adolf von Dahlberg eine Universitat, welche unter der Regierung des Prinzen von Oranien 1805 wieder aufgehoben wurde. An ihre Stelle trat ein Lyceum mit drei Classen, welches in Verbindung mit dem aus einer Vorbereitungs- und noch drei andern Classen bestehenden Gymna- sium zu den akademischen Studien vorbereiten sollte: jenem wurde A. G. Meissuer(† 1307) als Director, diesem G. E. Gierig(† 1314) als Rector vorgesetzt. Diese Einrichtung wæhrte unter den Studiencommissarien Göfsmann, v. Warnsdorf(gegenwürtig Obergerichts-Præsidenten), Pfaff(jetzigem Landesbischof Excellenz) und Schell(† 1834) bis 1335, wo Rurfürstliches Ministerium des Innern eine neue Organisation anordnete und beide Bildungsanstalten in Ein Gymnasium mit sechs Classen verschmolz, zu dessen Direction der Rœnigl. Preussische Professor Dr. N. Bach aus Breslau berufen wurde. Nach dem Vorbilde des Preussischen gelehrten Schulwesens ist für jede der vier unteren Classen der Cursus in der Regel einjæhrig(bei dem Uebergange aus Tertia nach Secunda jedoch nur in solchen Fällen, wo nach strengster Prüfung die wiſsenschaftliche und sitt- liche Reife auch wirklich vorhanden ist, widrigenfalls ein Schüler mindestens zwei Jahre in dieser Classe zubringen mufs), für jede der beiden oberen Classen zweijæhrig. Zur Aufnahme in die sechste Classe gehœrt bei einem Alter von ungefæehr 10 Jahren fertiges Lesen und Nachbilden Deutscher und Lateinischer Schrift, sowie Bekanntschaft mit den vier Rechnungsarten in ganzen unbenanuten Zahlen, so dafs die Grenzlinie für den Beginn des Gymnasial-Unterrichtes ebenso scharf wie für den Schluſs desselben(allgemeine wiſsenschaftliche Vorbereitung zu den akademischen Studien) gezogen ist. Derjenige Lehrer, welchem in einer Classe die meisten Stunden(nament- lich in den alten Sprachen) zugetheilt sind, wird Ordinarius derselben. Der Unterricht wird im Sommer um 7 Uhr, im Winter um 3 Uhr mit einem Schulgebete in allen Classen eröffnet (Ministerial-Beschlufs Nr. 2229& 6330 vom 28 April und 27 Julius 1856). An Sonn- und Festtagen wird für die Schüler katholischer Confession Morgens um 8 Uhr in der Gymnasialkirche Predigt und feierlicher Gottesdienst gehalten; die Schüler evangelischer Confession wohnen dem Gottesdienste ihrer Gemeinde bei.


