Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian.
Fortsetzung zu dem 1876er Osterprogramm der Realschule II. O. zu Leipzig.
Von G. HR. Hauschild.
Die mir zu Gesicht gekommenen Besprechungen meiner ersten Untersuchung über Tertullian als Wortbildner*) haben sich über den rein sprachlichen Gehalt derselben so günstig ausgesprochen und waren von so freundlichen und ermutigenden Aufforderungen zu weiteren Fortsetzungen begleitet, dass ich die mir zu einer solchen gebotene Gelegenheit mit Freuden zu ergreifen und hiermit zur Kenntnis und Würdigung der sprachlichen Bedeutung Tertullian's ein weiteres Scherflein beizutragen kein Bedenken hegen konnte. Durch mündliche und brief- liche Mitteilungen von Tertullian-Kennern darüber beruhigt, dass der Gang, den ich mir auf S. II meiner ersten Untersuchung(in den»zur Orientirung« vorausgeschickten Worten) für eventuelle Fortsetzungen vorgezeichnet habe, der richtige sei, da»bei Tertullian in der That Alles darauf ankomme, das Werden der Form durch ihr örtliches Vorkommen zu veranschau- lichen«, setze ich sofort wieder da ein, wo ich in jener ersten Abhandlung die zusammen- hängende Darstellung deshalb unterbrach(d. h. auf S. 26, al. 1), weil ich, zum Abschluss gedrängt, über die bis dahin von mir dargestellten sprachlichen Erscheinungen bei Tertullian ein vorläufiges Urteil fällen wollte.
Ich hatte bis dahin die Gesichtspunkte, nach denen Tertullian in der Verwendung des Griechischen verfuhr, besprochen und als ersten derselben angegeben:
A. Griechische Wörter werden in griechischer Schrift angeführt, und zwar:
a) mit griechischer Flexion ohne Uebersetzung und Erklärung, b) mit griechischer Flexion und nachfolgender lateinischer Ueber- setzung, welche ein neugebildetes Wort sein kann.
Es folgt nun
*) Dieselbe wurde 1876 unter dem oben angegebenen Titel als Osterprogramm der Realschule II. O. zu Leipzig veröffentlicht und erschien kurze Zeit später mit einem Vorwort versehen im Commissionsverlag von Zangenberg& Himly daselbst, von wo sie noch bezogen werden kann. Sie wird citiert werden als G M W I. I.
Das 1880 von mir veröffentlichte Osterprogramm des hiesigen Gymnasiums»Die Rationale Psychologie und Erkenntnistheorie Tertullian's,« auf welches bei Besprechung der philosophischen griechisch-lateinischen ter- mini technici in Tertullian's Werken hier öfters verwiesen werden wird, ist seitdem in derselben Commission
erschienen und wird als R P T citiert werden. 1


