Aufsatz 
Übersicht der gegenwärtigen Einrichtung des Pädagogiums zu Gießen
Entstehung
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andern Kenntniſſen nachtheilig werden; ſie werden daher nur ſelten vorgenommen, aber keineswegs ganz verſaͤumt.

Hinderniſſe, deren Eroͤrterung nicht hierher gehoͤrt, haben es noͤthig gemacht, in der erſten Claſſe den Unterricht in der Naturge⸗ ſchichte auf einige Zeit auszuſetzen, und dafuͤr die Lehrſtunden eines andern Fachs zu vermehren.

3. Naturlehre. Dieſe Diseiplin iſt allein fuͤr die beiden oberen Elaſſen beſtimmt, und wird nur in dem Umfang abgehandelt, in welchem es fuͤr Gymnaſiaſten Beduͤrfniß iſt. Ein mathematiſch⸗phyſi⸗ kaliſcher Apparat dient zur Erlaͤuterung des Unterrichts durch die ge⸗ hoͤrigen Verſuche.

4. Mathematik. Die Schuͤler der vierten Claſſe werden in den Anfangsgruͤnden der Arithmetik unterrichtet, die der dritten bis zur Regel de Tri gefuͤhrt, und die der zweiten in ſchwereren Rech⸗ nungsarten geuͤbt, und mit den Elementen der Geometrie bekannt ge⸗ macht. In Prima werden alle Theile der reinen Mathematik gelehrt, ohne indeſſen dem Univerſitaͤts⸗Unterricht vorzugreifen.

5. Philoſophie. Philoſophie im eigentlichen Sinn iſt nicht fuͤr Schuͤler, aber eine voruͤbende Anregung des Triebes zu gruͤndlichem Selbſtdenken iſt auch fuͤr ſie ſchon moͤglich, und bei denen, die ſich der Univerſitaͤt naͤhern, nothwendig. Im Paͤdagogium wird die Phi⸗ loſophie daher nicht nach irgend einem Syſtem oder Lehrbuche doeirt, fondern man ſucht die Schuͤler an richtiges Urtheilen und Schließen und an eine vernuͤnftige, geiſtvolle und unbefangne Anſicht der Welt zu gewoͤhnen, ihren Sinn fuͤr Wahrheit zu ſchaͤrfen und ihnen alles Sekten⸗Weſen und todtes Buchſtaben⸗Werk zuwider zu machen, wozu nicht nur die wiſſenſchaftlichen Lectionen, ſondern auch die Lectuͤre der Claſſiker, ſo wie die deutſchen und lateiniſchen Styluͤbungen man⸗ nigfaltige Gelegenheit darbieten. Die Erwachſenen und Faͤhigen wer⸗ den mit den Ideen der großen Weiſen des Alterthums bekannt ge⸗

macht,

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