Aufsatz 
Einige Gedanken über die Erziehung zur Sittlichkeit / von Ludwig Dieffenbach
Entstehung
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der Gang, welchen die Entwicklung der menſchlichen Seele nimmt; denn fruͤh ſchon erwacht das Gefuͤhl fuͤr Recht, und die Pflichten, die es gebietet, laſſen ſich ſo leicht auch dem erſt erwachendem Werſtande begreiflich machen. Sonderbar iſt es daher, daß neuere Erziehungsſchriftſteller dagegen eiferten,

ie Kinder fruͤb ſchon mit den Rechtspflichten bekannr zu ma⸗

chen und mir Strenge ſie zur Ausuͤbung derſelben anzuhalten. Sie meinten, dadurch wuͤrden ſie dereinſt nur rechtlich, zu ſtreng in ihren Forderungen an andere und uͤber dem Rechte wuͤrden ſie die Biuigkeit vergeſſen. Wenn man freilich jedem ſtaͤrkeren Gefuͤhle des Kindes, wodurch es faͤhig ſein koͤnnte, mehr als bloß rechtlich zu handeln, entgegen arbeiten; wenn man unanfhoͤtlich, ſo bald fein Herz es zur Milde hinzieht, es in die Sphaͤre des Rechts lukuͤckweiſen wollte; ſo koͤnnte dieſes wohl der Fall ſein. Allein welchem Erzieher, der in ſeinem Zöͤgling den Menſchen achtet, waͤre hierzu faͤhig? Zur Rechtlichkeis ihn hin fuͤhren, heißt ja nichts anders, als ihn anzuhalten, ſtrenge das zu thun, was andere, als ein Reche fordern koͤnnen, und nichts als ein Recht zu fordern, was andere ihm nicht zu leiſten ſchuldig ſind. Kann er erſt in dieſer Sphaͤre ſich zwanglos bewegen, und iſt er durch Uebung der unumſchraͤnkren Herrſchaft der Sinnlichkeit entzogen; ſo

duͤrfen wir wenigſtens gegrundete Hoffnung haben, daß er ſich wllig den Geboten Sittlichkeie unterwerfen werde.

Am zweiten Tage werden als Redner folgende Zoͤglinge von welchen 4

die Primaner ihre Reden ſelbſt verfertigt haben auftreten: Aus der erſten Klaſſe.

Zeinrich Friedrich Schoͤffer, aus Gieſen.

Einige Zuͤge aus Dſchingischans Leben. Deutſch. gerr

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