Aufsatz 
De Demetrii Phalerei vita, rebus gestis et schriptorum reliquiis : Part II / Christian Ostermann
Entstehung
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2. Mit dem Beginne des neuen Schuljahres ſchied der Herr Regierungsaſſeſſor Lotz, in Folge ſeiner Verſetzung nach Marburg, aus ſeiner ſeitherigen Stellung als Verwaltungscommiſſar des Gymnaſiums, in welcher er, was der Unterzeichnete hier mit dankbarer Anerkennung beſonders hervorzuheben ſich ver⸗ pflichtet fühlt, zwei Jahre hindurch(ſeit Frühjahr 1854) der Anſtalt ſtets wohlwollende Theilnahme und freundliche Geſinnung bewieſen und die Intereſſen derſelben mit eifriger und umſichtiger Thätigkeit geför⸗ dert hatte.

3. Das Schuljahr wurde am 7. April im Prüfungsſaale mit Choralgeſang der Schüler, Gebet und Anrede des Directors, Verleſung und Erläuterung der Schulgeſetze durch denſelben, feierlich eröffnet. Nach der Eröffnungsfeierlichkeit wurden die Aufnahmeprüfungen vorgenommen. Angemeldet waren im Ganzen 36 Schüler und zwar 25 für die Sexta, 5 für die Quinta, 2 für die Quarta, 2 für die Untertertia, 1 für die Unterſecunda, 1 für die Unterprima. Letzterer, welcher der Unterprima des Gymnaſiums zu Hersfeld angehört hatte, trat, auf den Grund eines Abgangszeugniſſes dieſer Anſtalt, in dieſelbe Claſſe des hieſigen Gymnaſiums ein; von den übrigen Recipienden wurden, auf den Grund der mit ihnen vorgenommenen Prüfung, 27 in die Sexta, 3 in die Quinta, 4 in die Quarta, 1 in die Obertertia aufgenommen.

4. Der Unterricht begann am 8. April. Die Sommerferien dauerten vom 7. bis zum 26. Juli, die Herbſtferien vom 25. September bis zum 12. October, die Weihnachtsferien vom 23. December bis zum 4. Januar.

5. Durch Allerhöchſtes Reſcript vom 3. April, mitgetheilt durch Miniſterialbeſchluß vom 15. April, wurde dem Gymnaſiallehrer Bormann ſtatt ſeines bisherigen Gehaltes von 500 Thalern nunmehr der Normalgehalt dritter Claſſe von 600 Thalern jährlich, vom 1. Mai an, allergnädigſt bewilligt.

6. Durch Allerhöchſtes Reſcript vom 10. April, mitgetheilt durch Miniſterialbeſchluß vom 17. April, wurde der Gymnaſialhülfslehrer Jakob Gegenbaur zum ordentlichen Lehrer an dem hieſigen Gymnaſium mit dem Normalgehalte letzter Claſſe von 500 Thalern jährlich, vom 1. Mai an, proviſoriſch allergnädigſt beſtellt.

7. Am 26. April geleiteten Lehrer und Schüler die Leiche eines vormaligen verdienten Lehrers des Gymna⸗ ſiums, des Hrn. Profeſſors Philipp Wehner, zu ihrer letzten Ruheſtätte auf dem Friedhofe des Dorfes Neuenberg, wo derſelbe am 24. April in ſeinem 76ſten Lebensjahre(er war am 5. Novbr. 1780 geboren) zu einem beſſeren Leben heimgegangen war. Der Verewigte, welcher von 1804 bis zum 27. Juli 1842, an welchem Tage ſeine von ihm gewünſchte Penſionirung erfolgte, an dem Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt als Lehrer gewirkt hatte, war demſelben ſtets ein theilnehmender und aufrichtiger Freund geblieben und hatte ſeine Anhänglich⸗ keit an die Anſtalt noch dadurch beſonders bethätigt, daß er derſelben zur Gründung eines Stipendiums für fleißige und wohlgeſittete dürftige Schüler ein Vermächtniß von 600 Gulden zuwandte, welche Summe am 3. Mai von dem Herrn Domcapitular Dr. Lomb, im Auftrage der Erben des Verewigten, dem Unter⸗ zeichneten übergeben, und von demſelben noch an dem genannten Tage bei hieſigem Leihhauſe zur Verzinſung mit vier vom Hundert angelegt wurde. Schon im Herbſte des verfloſſenen Jahres wurden die halbjährigen Zinſen dieſes frommen Vermächtniſſes zur Unterſtützung eines Schülers der bezeichneten Art verwendet (ſ. untenStipendien) und in Zukunft wird im Herbſte jedes Jahres dasWehner'ſche Stipendium im Betrage von 24 Gulden nach dem Willen und im Sinne des Verewigten einem unbemittelten würdigen Schüler des Gymnaſiums zuerkannt werden. Am 6. Mai wurde für die Seelenruhe des Verſtorbenen ein eierliches Requiem in der Gymnaſialkirche gehalten, welchem die katholiſchen Lehrer und Schüler wie auch die hier wohnenden Verwandten und mehrere Freunde des Verſtorbenen beiwohnten. Das Gymnaſium wird