Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
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Zum Lektionsplan.

Einige ältere Lectionspläne ſind uns erhalten. Wenn wir, von denen um die Zeit des Deiniaſtreits(1769) abſehend, von da hinaufgehen: vor allem ein unda⸗ tierter, der aber durch die Lehrernamen Eberwein, Reitz, Draut und Benner unbedingt auf 172931 fixiert wird. In Prima werden 29 Wochenſtunden beſonders dem Cicero (Epiſteln, Reden, de officiis gleichzeitig), und ſonderbarerweiſe auch dem Curtius ge⸗ widmet. Eine Stunde gilt der Geſchichte und Geographie; Griechiſch wird in 2 Nach⸗ mittagsſtunden gelehrt. Es treten überhaupt nur die 3 alten Sprachen, Elemente der Philoſophie und Religion ſonſt auf; erſt in der 2. Kl.(unſre Secunden findet ſich eine Stunde Arithmetik. Sonſt überwiegen hier Nepos und Ovid. Das Griechiſche hat 3 Stunden zur Verfügung; in der 3 ten Klaſſe ſogar vier. Hier wird auch bereits Hebräiſch getrieben; alſo 6 Jahre lang! Kein Wunder, daß im 17. Jahrh. zu Gießen öfters Hebräiſch diſputiert werden konnte und unter den praeceptores classici ſolche vorkommen, die Syriſch, Arabiſch, Chaldäiſch und Abeſſyniſch verſtehen. Auch in der 3. Kl. ſind faſt alle Stunden dem Latein, in allerdings verſchiedner Zubereitung, gewidmet. Die Klaſſen ſind natürlich zweijährig; die unteren Gynnaſialklaſſen ver⸗ trat für Gießen die Stadtſchule, deren Stundenplan und darauf bez. Verfügungen von 1627 und 1629 unſre Akten gleichfalls enthalten. Mit dem eben geſchilderten Lectionsplan, der für alle Klaſſen 29 Wochenſtunden anſetzt, tritt ein Marburger von 1724(gleichfalls in unſren Akten) in großen Widerſpruch, der 40 Wochenſtunden für die beiden oberſten Klaſſen(darunter allerdings 4 Arbeitsſtunden, horae privatae, in Gegenwart des helfenden Lehrers) zugrundelegt. Auch ein Lectionsplan von 166367 iſt noch vorhanden, für die beiden Oberklaſſen; das Verhältnis von Latein und Griechiſch iſt etwa das gleiche; Arithmetik iſt einmal(wöch.) vorhanden, Muſik wird etwas ſtärker gepflegt. Nicht nur Donnerstag morgens iſt deductio templi vorgeſehen ſie beſtand noch 100 Jahre lang, ſondern auch Samstag morgens und nachmittags.

Vom Derſonal des Dädagogs.

Auch hierfür hat M. Rambach jun. ungemein fleißige und mühſelige Samm⸗ lungen hinterlaſſen, die aus dem Staub der alten Akten zu retten, für unſre Anſtalt eine Pietätspflicht, aber auch von einigem hiſtoriſchen Intereſſe iſt. Dies ſollte das vierte Kapitel ſeines beabſichtigten Geſamtwerks bilden; es iſt aber, nach ſeiner Ge⸗ wohnheit bei der Ausführung ſo ins Detail gewachſen, daß es ein Buch bilden würde und ſogar ſein kurzes Concept Dinge enthält(Dienſtwohnung), welche die Reinſchrift gar nicht ausführt. Aus letzterer geben wir hier das Wichtigſte im Auszug.

§ 1. Die Pädagogiarchen ſind ordentliche Profeſſoren. Bei dieſem hochfürſtl. Pädagog ſind nach den Statuten ſechs Lehrer verordnet. Einer aber unter ihnen hat dabei die Aufſicht über das gantze Pädagog, wie auch über alle lateiniſchen Schulen des Oberfürſtenthums), und führet den Titel Pädagogiarch. Derſelbe iſt nach einer beſtändigen Obſervanz, von Anfang bis hierher, ein ordentlicher Profeſſor geweſen. Daher auch als im Jahr 1732 zween Präceptores des Pädagogs,

¹) Bis in die 40 er Jahre des 19. J. hatte der Gießener Gymnaſialdirektor die Ober⸗ aufſicht über die(lat.) Privatſchulen Oberheſſens.