Sinleitung.
Das Material zu einer Geſchichte des Gießener Gymnaſiums— früher paedagogium illustre(wie das Coburger Casimirianum) oder auch academicum— liegt nicht vollſtändig und zuſammenhängend vor, ſondern iſt im höchſten Grade lückenhaft. Schon ſeit 1 ½ Jahrhunderten fehlen die annales paedagogici, die freilich auch nicht bis zu den Anfängen(1605) hinaufgereicht haben ſollen— ſondern bei der Marburger Verpflanzung(1625/6) mag das Erſte verloren ſein,— und die ſpäteren Akten wurden, in trümmerhafteſtem Zuſtand, 1826 in der hieſigen Univerſitätsregiſtratur niedergelegt, worüber eine protokollariſche Erklärung des Gr. Oberſchulrats und Gym⸗ naſialdirektors Dr. Hillebrand, des berühmten Literaturhiſtorikers, vom 1. November 1826 bei unſren Akten iſt. Die alten Akten ſind in früheren Jahren unglaublich ver⸗ wahrloſt, nach einer ſehr glaubhaften Angabe, von Mägden verfeuert worden. Was jetzt auf der Univerſitätskanzlei für die Geſchichte unſerer Anſtalt übrig iſt, könnte nur bei Perſonal⸗ und Beſoldungsfragen, und auch da nur gelegentlich Ergänzungen bieten.
Im Großh. Haus⸗ und Staatsarchiv aber ſind— nach gütiger Mitteilung dieſer Behörde— unſre Akten, wie natürlich bei der früheren organiſchen Verbindung beider Inſtitute, zumeiſt ungeſondert von denen der Univerſität und könnten nur in Darmſtadt ausgeſondert und benützt werden. Es ſcheint, daß wir für die von uns zu behandelnde Periode alles Weſentliche von daher in alten Abſchriften ohnehin beſitzen. Man ſieht ſich daher auf das ſpannenhohe Faszikel alter Akten beſchränkt, die ich bei meinem Amtsantritt, 1899, auf dem Speicher der Anſtalt bei älteren Rechnungen fand, und die darum ſ. Z. nicht an die Univerſitäts⸗Regiſtratur abgegeben ſein dürften, weil ſie als Stücke und Belege eines Privatunternehmens mögen gegolten haben. Es ſind dies Rambachs des Jüngeren Sammlungen zu einer vermutlich auf Antrieb des Pädagogi⸗ archen D. Benner unternommenen Geſchichte unſrer Anſtalt. Sie kann und muß, falls nicht auf die Darmſtädter Akten eine vollſtändige Geſchichte unſrer Anſtalt aufgebaut wird, als das einzig mögliche Surrogat dafür gelten; und in dieſem Sinne ſoll das Erheblichſte davon hier publiziert werden. Und es iſt zugleich ein Akt der Pietät, endlich dieſer grundlegenden Rambachſchen Arbeit ans Licht zu verhelfen, nachdem ſie vor zwei Menſchenaltern der Gymnaſialdirektor Dr. Geiſt¹) zwar, man darf ſagen,
¹) Gießener Programm 1845.


