— 12—
müssen, dass aber auch ein gewisser Gemütszustand erreicht werden soll, der sich besonders nach religiöser, sittlicher und raterländischer Seite hin ausprägt. Um dieses Ergebnis zu erzielen, werden die Kinder unterrichtet zunächst in Religion, Deutsch, Geschichte, ferner in Erdkunde und Naturkunde, Rechnen mit Raumlehre und endlich in Zeichnen, Gesang und Turnen. Somit sollen die ethischen, die intellektuellen und die aesthetischen Interessen gefördert werden; auch Gemüt, Verstand und Körper der Kinder soll durch diese Lehrfächer ausgebildet werden. In neuerer Zeit, wo man der Schule möglichst alle Arbeit aufbürden, und wo man die Schule für alle Mängel verantwortlich machen will, werden noch vielfach volkswirtschaftliche und verfassungskundliche, hygienische, hauswirtschaftliche und dergleichen Belehruugen verlangt. Selbstverständlich ist es, dass die Grundlagen dieser Lehren an ihrer Stelle d. h. im geschichtlichen und naturwissenschaft- lichen Unterrichte klar gemacht werden müssen, aber vor einem besonderen, eingehenden Betreiben dieser Gegenstände in der Schule ist zu warnen. Die hohen Ziele der Volks- schule würden nur darunter leiden, und es ist ein für alle Male daran fest zu halten, dass die Erziehungsschulen nicht dazu vorhanden sind, einen fertigen Berufsmenschen zu schaffen, sondern nur die Grundlagen zu legen, auf denen dann der besondere Fachunterricht, sei es durch Fachschulen, Fort- bildungsschulen, Lehrzeit oder durch das Leben selbst weiter zu bauen hat. Hauswirtschaftlicher Unterricht für die Mäd- chen dagegen, wie Handfertigkeitsunterricht für die Knaben liesse sich neben dem allgemeinen Lehrplane mit grossem Nutzen gewissermassen im Sinne der„Rekreationsstunden“ August Hermann Franckes angliedern.
Ich darf das Gebiet der Bürgerschulen nicht verlassen, ohne einer bedeutenden Strömung in der Volksschul-Pädagogik kurz zu gedenken, die, mit einem Worte gesagt, darauf ab- zielt, die Bürgerschulen in zwei Peile völlig zu zerreissen. Die Wortführer dieser Richtung ¹⁰) verlangen eine völlige Trennung in die gemeinsame Grundschule, die aus den unteren


