Aufsatz 
Hippolytos : Tragödie des Euripides ; (Dem Großherzoglichen Gymnasium zu Gießen zum Feste seines dreihundertjährigen Bestehens gewidmet) / In dt. Verse gebracht von Otto Altendorf
Entstehung
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Aphrodite(aulein). Man nennt mich Aphrodite.

im Himmel und auf Erden iſt mein Name.

Von allen, die das Licht der Sonne ſchauen,

bis zu des Weltmeers fernſten Ufern wohnen, zo) erhöh' ich die, die meine Macht verehren,

und ſtürze, die ſich eitel überheben.

Denn auch den Göttern iſt es eingeboren:

es freut ſie, wenn die Menſchen ſie verehren.

Noch heut zeig' ich die Wahrheit dieſer Worte. io Denn Theſeus' Sohn, der Amazone Sproß,

Hippolytos, des frommen Pittheus Zögling,

wagt es allein von diefes Landes Bürgern

die niedrigſte der Götter mich zu nennen

und weiſt den Bund der Liebe keck zurück.

15 Des Phoibos Schweſter, Artemis, verehrt er, die Tochter Zeus', und nennt die höchſte ſie von allen Himmliſchen, durchſtreift mit ihr, der Jungfrau, ſtets in innigſtem Verkehr, der Göttin, die ihn ihres Umgangs würdigt, den grünen Wald und jagt mit ſchnellen Hunden

2o des Landes Wild. Ich neid' es ihnen nicht. Was ſollt' ich auch? Jedoch was er an mir geſündigt, ſoll er büßen heute noch.

Seit langer Zeit ſchon hab' ich's vorbereitet,

und wenig bleibt mir übrig noch zu tun.

Denn als er einſt aus Pittheus frommem Haus 2s ins Land Pandions reiſte, die Myſterien

zu ſchau'n und ihre Weihen zu empfangen,

da ſah ihn Phaidra, ſeines Vaters Weib,

und eine ungeheure Liebesglut

flammt' ihr im Buſen auf nach meinem Plan.

Wohlbekannt

*) Die Zahlen verweiſen auf die Verſe des griechiſchen Werkes. 1: