Aufsatz 
Eine Fuldaische Chronik aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts / von Gangolf Hartung. Hrsg. von J. Gegenbaur
Entstehung
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17. Am 12. November wurde in der Gymnaſialkirche das herkömmliche Trauergedächtnißamt für die ver⸗ ſtorbenen Wohlthäter des Gymnaſiums, insbeſondere die Stifter der Stipendien, gehalten.

18. Am 24. December hatte das Gymnaſium abermals den Verluſt eines treuen und⸗ wohlbefähigten Schülers, des Unterprimaners Johann Böſchen, zu beklagen, welcher an dieſem Tage nach langem Leiden an der Auszehrung ſtarb und ſomit nach kaum einem halben Jahre ſeinem Freunde Heinrich Weigand nachfolgte (. Nr. 8), mit welchem er in edlem Wetteifer den ganzen Gymnaſialeurſus bis in die oberſte Claſſe rühmlichſt durchgemacht hatte. An ſeinem Leichenbegängniß, welches den 27. December ſtattfand, betheiligten ſich alle Lehrer und Schüler, welche nicht in den Weihnachtsferien abweſend waren. Am 6. Januar wurde für den Hingeſchie⸗ denen in der Gymnaſialkirche ein feierliches Seelenamt gehalten.

19. Am 4. Februar fand die herkömmliche Hrabanusfeier Statt. Bei derſelben hielt der Oberprimaner Adam Müller einen lateiniſchen Vortrag über das Thema:Eum primum esse virum, qui ipse consulat, quid in rem sit, secundum eum, qui bene monenti obediat, die Unterprimaner Gabriel Genßler und Joſeph Medler aber deutſche Vorträge, jener über die Frage:Welche Umſtände begünſtigten im Mittelalter das Entſtehen und Aufblühen der Städte in Deutſchland?, dieſer über den Spruch Schiller's:Mit des Ge⸗ ſchickes Mächten iſt kein ew'ger Bund zu flechten. Gedichte wurden declamirt von dem Unterſecundaner Georg Hohmann, dem Obertertianer Wilhelm Ide, dem Untertertianer Richard Henning, dem Quartaner Franz Kramm, den Quintanern Heinrich Keßler nnd Julius Schüßler, den Sextanern Albert Hartert und Joſeph Müller. Dazwiſchen trugen die Schüler der Geſangſelecta der Feier des Tages ent⸗ ſprechende Geſänge vor.

20. Durch Allerhöchſtes Reſeript vom 26. Februar, mitgetheilt durch Miniſterialbeſchluß vom 14. März Nr. 1991, wurde dem Gymnaſial⸗Oberlehrer Dr. Eduard Göbel zu Köln die erledigte Directorſtelle an dem hieſigen Gymnaſium mit einem Jahresgehalte von 1200 Thalern vom 1. April d. J. an allergnädigſt übertragen.

C. Statiſtiſche Verhältniſſe.

1. Frequenz des Gymnaſiums.

Am Schluß des vorigen Schuljahres betrug die Zahl der Schüler 208. Von dieſen traten außer den im letzten Programm genannten 7 Abiturienten noch 18 Schüler aus.

Beim Beginn des jetzigen Schuljahres betrug alſo die Zahl der Schüler, da 52 neu aufgenommen wurden, 235(l 22, II 32, IIla 23, IIIb 35, lV 39, V 47, VI 37), unter welchen ſich 153 katholiſche, 77 evangeliſche und 5 israelitiſche, andrerſeits 162 einheimiſche und 73 auswärtige befanden.

Zu Michaelis wurden 4 Schüler mit Maturitätszeugniſſen zur Univerſität entlaſſen; außerdem gingen im Laufe des Schuljahres 19 Schüler ab und 2 ſtarben; dagegen wurden 6 aufgenommen.

Demnach zählt das Gymnaſium am Schluß des Schuljahres 216 Schüler(1 17, II 25, Illa 21, IlIb 32, V 37, V 45, VI 39), unter welchen ſich 138 katholiſche, 72 evangeliſche und 6 israelitiſche, andrerſeits 146 einheimiſche und 70 auswärtige befinden.

Von den ſeit dem Schluß des vorigen Schuljahres abgegangenen 37 Schülern, welche den Gymnaſialeurſus nicht beendigt hatten, wollten ſich 2 dem Militärſtande, 2 dem Forſtfache, 2 dem Poſtfache, 1 der Chirurgie, 1 der Pharmacie, 1 der Thierarzneikunde, 3 dem Kaufmannſtande, 1 der Buchdruckerei widmen; 1 wollte ſeiner Militärpflicht genügen; 12 gingen auf andere Lehranſtalten über; 2 wollten ſich durch Privatunterricht fortbilden; 9 waren über ihre weitere Laufbahn noch nicht entſchieden.