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7. Am 22. Juni folgten die katholiſchen Lehrer und Schüler des Gymnaſiums der Fronleichnamsproceſſion.
8. Am 25. Juli verlor das Gymnaſium einen ſehr braven und talentvollen Schüler, den Unterprimaner Heinrich Weigand, welcher nach langem Leiden an der Auszehrung ſtarb. Am 28. Juli geleiteten ihn Lehrer und Schüler, ſoweit ſie nicht wegen der Ferien abweſend waren, zur letzten Ruheſtätte. Am 30. Juli wurde für denſelben in der Gymnaſialkirche ein feierliches Seelenamt gehalten.
9. Durch Miniſterialbeſchluß vom 29. Juli 1862 z. Nr. 5734 wurde, da die Gymnaſiallehrer Dr. Gies uud Dr. Lotz durch Geſundheitsrückſichten zeitweilig an der vollſtändigen Verſehung ihres Amtes gehindert waren, der bis dahin an einem Privat⸗Erziehungsinſtitute zu Pfungſtadt im Großherzogthum Heſſen als Lehrer fungirende Gymnaſialpracticant Eduard Auth aus Oberbimbach mit der Aushülfeleiſtung am hieſigen Gymnaſium gegen eine monatliche Vergütung von 25 Thalern beauftragt. Derſelbe begann am 8. Auguſt ſeine Functionen.
10. Am 3. Auguſt empfingen 25 von dem Gymnaſiallehrer Schmittdiel vorbereitete Schüler in der Domkirche von dem Hochwürdigſten Herrn Biſchof die heilige Firmung.
11. Am 20. Auguſt wurde das höchſterfreuliche Geburtsfeſt Seiner Königlichen Hoheit des Kurfürſten mit einer öffentlichen Schulfeierlichkeit in dem feſtlich geſchmückten Prüfungsſaale begangen. Die Feſtrede hielt der Gymnaſiallehrer Gegenbaur„über die nationale Erziehung der Jugend“. Die Schüler der Geſangſelecta trugen religiöſe und vaterländiſche Geſänge vor.
12. Am 21. September empfingen die evangeliſchen Lehrer und Schüler gemneinſam das heilige Abendmahl.
13. Am 22. und 23. September wurden der Vorſchrift gemäß in allen Claſſen die nicht öffentlichen Herbſtprüfungen gehalten.
14. Bei der öffentlichen Schulfeierlichkeit, mit welcher am 24. September das Sommerſemeſter geſchloſſen wurde, hielt der Abiturient Chriſtoph Menz einen lateiniſchen Vortrag über den Satz: virtutes majorum ad imitandum esse proponendas, der Abiturient Wilhelm Sopp aber und der Unterprimaner Hermann Kerſting deutſche Vorträge, jener über Oreſt und Pylades in Göthe's Iphigenie, dieſer über die Bedeutung der Schlacht bei Leipzig. Gedichte wurden declamirt von dem Oberſecundaner Ludwig Knorz, dem Obertertianer Karl Möli, dem Untertertianer Karl Fleck, dem Quartaner Karl von Eſchſtruth, den Quintanern Anton Koch und Theodor Scheffer, den Sextanern Wilhelm Mehler und Iſidor Eſchwege. Dazwiſchen trugen die Schüler der Geſangſelecta verſchiedene Geſänge vor. Den Schluß der Feier bildete die Entlaſſung der Abiturienten und die Abſchiedsrede des Directors.
15. Am 30. September legte Herr Gymnaſial⸗Director Dr. Weſener ſein Amt, das er nur drei und ein halbes Jahr bekleidet hatte, nieder, da er als Gymnaſial⸗Dirertor und Herzoglich Naſſauiſcher Oberſchulrath nach Hadamar berufen worden war. Je wünſchenswerther es für eine Anſtalt iſt von einem erfahrenen, einſich⸗ tigen und mit ganzer Seele ſich ſeinem Berufe widmenden Vorſtande in dauerndem Zuſammenhang geleitet zu werden, deſto mehr mußte unſer Gymnaſium dieſen raſchen Wechſel beklagen. Die Beſorgung der Directorial⸗ Geſchäfte ging bis zur Ernennung eines der katholiſchen Confeſſion angehörigen Directors auf den Unterzeichneten über, wofür demſelben durch Miniſterialbeſchluß vom 12. November z. Nr. 7953 eine monatliche Vergütung von 29 ½ Thaler bewilligt wurde. Für die durch den Abgang des Directors dem Gymnaſium entzogene Lehrkraft konnte zwar eine Aushülfe nicht beſchafft werden, doch wurde es durch das bereitwillige Zuſammenwirken der Lehrer möglich gemacht den Lehrplan für das Winterſemeſter ſeinem vollen Umfang nach unverkürzt durchzuführen.
16. Das Winterſemeſter wurde am 14. October mit einer gleichen Feier wie das Schuljahr eröffnet.
Von 3 angemeldeten Schülern wurden nach dem Ergebniß der Prüfung 2 in die Sexta, 1 in die Obertertia
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