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gewalt, sondern seiner politischen Begabung. Er kannte und schätzte den Wert des Geldes weit besser als seine Vorgänger auf dem Thron, wußte es trefflich für seine Zwecke zu gebrauchen und war in der Wahl der Mittel, in dessen Besitz zu gelangen, nicht zu bedenklich. Seine Zeitgenossen warfen ihm vor, daß er dabei die Schwächeren leicht vergewaltigte.
Bei Beginn seiner Regierung fand er das Reich in schwerer Zerrüttung. Im Osten erhoben sich die Geißlerbanden; 1348 be- gann in ôOsterreich die große Geißlerfahrt, von dort aus drangen die fanatischen Scharen über Südbayern nach Schwaben und Fran- ken vor. Mit Neugier und Staunen hörte die Menge ihren Gesängen zu und sah auf ihre Geißelungen; überall wuchs ihre Gefolgschaft. Nicht lange währte es, und ihr Fanatismus richtete sich gegen die Juden. Als furchtbarer Bundesgenosse in ihrem Vernichtungs- kampfe gegen diese gesellte sich die unter dem Namen der schwarze Tod¹) bekannte Seuche zu, die bald nach dem Auftreten der Geißler- schar ganz Europa heimsuchte. Von Oberitalien und dem südlichen Frankreich näherte sie sich den deutschen Landen. Eine allge- meine Angst vor dem Würgengel ergriff die Volksmasse, die Bande der gesetzlichen Ordnung begannen sich zu lösen. Auch hier wandte sich die Erregung gegen die Juden. Schon begann man an vielen Orten im Süden und Westen Deutschlands sie zu morden und ihre Häuser zu plündern; wo die Behörde sie zu schützen suchte, er- zwang die Menge ihre Preisgebung. Die Beschuldigung, daß sie die Brunnen vergiftet hätten, um die Christen zu töten, war der Habsucht der Massen ein willkommener Vorwand.
Und als die Erregung zu ermatten schien, da fachten teils die jetzt wirklich einziehende Pest, teils die Geißlerscharen die er- löschende Flamme zu neuer Glut an. Am 2. Mai hielten diese ihren Einzug in Würzburg, ihr Ziel war offenbar Frankfurt. Voller Furcht sahen die Juden ihrer Ankunft entgegen.
Charakteristisch ist nun die Haltung des Königs während dieser Wirren und Metzeleien. Völlig untätig sah er der Entwicklung der Dinge im Reiche zu und ließ sie gehen, wie sie eben gingen. Den Geißlerscharen und dann der Pest wich er vorsichtig aus, nur erst sehr spät, als jene einen gefährlichen sozialpolitischen Charakter angenommen hatten, rief er den Papst gegen sie ins Feld²). Der Juder dagegen nahm er sich nur in seinen Erb- ländern an, in Deutschland überließ er sie ruhig ihrem Schick- sal und hatte allenfalls eine billige Phrase des Bedauerns für sie 2).
1) Siehe Hoeniger, Der schwarze Tod in Deutschland; Lechner, Die große Geißel- fahrt des Jahres 1349, im historischen Jahrbuch, Jahrgang 1884 S. 446 ff.
2) Hoeniger I. c. S. 114. a) So wenn er sagt: wer es ouch, das got nicht enwelle, das die juden... virterbit
odir dirslagen wurden(Frankf. Stadtarch. Privil. 87).


