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brennen¹). Nach den Erfurter Annalen hätten die Juden ihre Häu- ser selbst angesteckt und sich darin verbrannt. Das Feuer habe sich dann weiter verbreitet und die Hälfte der Stadt sei dabei ein- geäschert worden.
Unter dem Schutze der Dunkelheit hatten sich 70 Juden auf einen starken Turmꝰ) geflüchtet und hielten sich dort für geborgen, aber sie wurden entdeckt und angegriffen. Als der Turm erstürmt war, stürzte man sie auf die Straße herabs).
Das Judenquartier war jetzt eine öde Stätte. Die Wut der Menge hatte sich besonders gegen die Synagoge gerichtet; sie ward ganz verwüstet und die Gesetzesrollen wurden zerrissen, auch die beiden Lehrhäuser wurden zerstört¹“). Die Wohnhäuser waren niedergebrannt, die Straßen mit den Leichen der Juden bedeckt, die, ihrer Kleidung beraubt, nackt dalagen. Die Zahl der Erschla- genen wird je nach den Quellen verschieden angegeben); auch einige Christen waren im Kampfe umgekommen. Bücher) hat die von Horovitz nach dem Mainzer Memorbuch angegebene Zahl von 159 Opfern für die Bevölkerungsstatistik verwertet. Er berechnet daraus 39 Haushaltungen mit 93 männlichen und 47 weiblichen Personen, dazu an einzelnen Personen 14 männliche und 5 weib- liche. Das auffallende Mißverhältnis in den Zahlen für beide Ge- schlechter erklärt sich am leichtesten damit, daß, wie auch eine andere jüdische Quelle berichtet*), viele Frauen angesichts des Todes die Taufe annahmen und von da ab ungestört in der Stadt bleiben durftens). Die Erfurter Annalen sprechen von 24 Getauften,
¹) Im Machsor Salonichi(Salfeld S. 331) heißt es: Der Satan mit dem Pöbelhaufen erschien mit Feuer, Erwürgung, Folter und Galgen und allerlei Waffen, um Untergang zu schaffen.
2) Vielleicht der Metzgerturm? Herr Architekt C. L. Thomas hat unter diesem die Fundamente einer weit älteren Toranlage auf einem Holzfundamente gefunden(s. seinen Artikel hierüber im Abendblatt der Frankfurter Zeitung vom 30. Juli 1897). Thomas macht mich aber noch darauf aufmerksam, daß sich höchstwahrscheinlich auch ein Turm west- lich vom ehemaligen Leinwandhaus(im jetzigen Höfchen des Historischen Museums) befunden hat. Er fand daselbst noch die Schale einer zylindrischen Turmmauer.
³) Auch diese Angabe findet sich im Machsor Salonichi(Salfeld l. c.), es spricht aus- drücklich von Szekilah und Dechijah(Steinigen und Herabwerfen).
4) Siehe das Klagelied des R. Jehuda b. Mose ha-Kohen.
⁵) Die Erfurter Annalen geben 180 Erschlagene an, das Klagelied des R. Juda b. Mose ha-Kohen„mehr als 173“, ebenso der Oxf. cod. Nr. 2256 Band I(Neubauer, anecd. Oxon. mediaev. jewish chronicles 193), dagegen das Märtyrerverzeichnis bei Ullmann nur 147, bei Horovitz dagegen 159, beides irrtümlich, weil ihre Quelle dieselbe ist, die Sal- feld benutzt hat und er richtig 160 zählt. Denn bei Horovitz I S. 6 ist sub 110 aufgezählt „sein Sohn Isaak“, d. h. R. Aschers Sohn, bei Salfeld S. 126 aber heißt es R. Ascher und sein Sohn, darauf folgt„der junge Isaak“(bei Horovitz also 2, bei Salfeld 3 Personen).
) Bevölkerung von Frankfurt a. M. S. 530 und 531.
7) Chajim Or sarua§ 91, 103 und 221, zitiert bei Horovitz S. 7; dort heißt es:„Diese frommen Jungfrauen änderten vor dem gezückten Schwerte ihr Bekenntnis mit dem Munde, während sie im Herzen dem Himmel treu blieben.“
8)„Von dem Tage an, da sie vorgaben, an andere Lehre zu glauben, waren sie vor der Berührung ihrer Umgebung geschützt.“ Or sarua bei Horovitz l. c. Unter den Ge-


