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denn die jüdische Gemeinde lebte dort lange Zeit ohne jede An- feindung:).
Die Juden wohnten in dieser ersten Zeit im Süden der Stadt am Main, und zwar an der nach dem gegenüberliegenden Stadtteil Sachsenhausen führenden Brücke oder unweit davon im Juden- quartier. Die Hauptstraße erstreckte sich in ostwestlicher Richtung etwa von der Fahrgasse aus— zwischen Mehlwage und Fürsten- eck— an dem jetzigen Historischen Museum vorbei über die Saal- gasse bis zu dem noch heute vorhandenen Heilig-Geist-Brunnen. Von dieser Straße zweigten sich kleine Quergassen teils nach Norden zur Bendergasse, teils nach Süden zur heutigen Großen Fischergasse²) ab.
In diesem Teil der Stadt herrschte der regste Verkehr, ein fort- währendes Gehen und Kommen: Über die Fahrgasse wälzte sich der Strom der vom Norden oder vom Süden Deutschlands Ein- treffenden. Der breite Mainfluß, bei dem Mangel an guten Wegen und bei der Unsicherheit der vorhandenen mit Vorliebe als Ver- kehrsstraße benutzt, war von Lastschiffen aller Art belebt und wirkte mächtig fördernd auf den Handel. Hier bot sich Gelegen- heit zu reichem Gewinn. Auch das politische und das religiöse Leben hatte hier seinen Mittelpunkt. In dem Judenquartier befand sich die Hauptkirche der Stadt, die Bartholomäuskirche; hier waren das Rathaus und die Münze. Schon daraus ergibt sich, daß das Judenquartier keineswegs ausschließlich oder auch nur überwiegend von Juden bewohnt war, oder daß sie etwa gezwungen worden wären, wie es die späteren Zeiten mit sich brachten, abgesondert von dem christlichen Teil der Bevölkerung zu wohnen. Wenn wir sie zusammen und geschlossen in einem Quartier finden, so geschah dies nach ihrem freien Willen. Die das Mittelalter charakterisie- rende Eigentümlichkeit, der enge Zusammenschluß der wirtschaft- lich, religiös oder national Zusammengehörigen kam dabei zum lebendigen Ausdruck.
Erst das Jahr 1241 lichtet etwas das Dunkel, das bisher über der Frankfurter Judengemeinde geschwebt hatte. Wir haben aus diesem Jahr eine höchst wertvolle Aufzeichnung der Reichsein- künfte, ein Verzeichnis der Steuern von Städten und Judengemein- den. Unter den sächsischen und salischen Kaisern scheinen diese
¹) UÜber die Abfassungszeit des Jalkut s. Zunz, Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden S. 299; über den Jalkut selbst Zunz l. c. S. 295— 303, Horovitz, Frankfurter Rabbinen S. 1— 4, Bärwald, Der alte Friedhof der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. S. 5— 6, Brülls Jahrb. V/VI S. 221 ff., Abr. Epstein ha-Choker Band I S. 85 ff. und 129 ff.
2) Da ich später die alte Judengasse in einem besonderen Abschnitte ausführlich behandele, gehe ich hier nur flüchtig darauf ein.


