Aufsatz 
Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1349 / vom ... I. Kracauer
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Christliche Quellen erwähnen eine dauernde Niederlassung von Juden in Frankfurt erst am Ausgang des zwölften Jahr- hunderts.

Wir entnehmen aus ihnen, daß die Frankfurter Juden in Be- ziehungen zu denen Kölns standen. Diese Stadt war damals wohl der größte Handelsplatz Deutschlands und pflegte lebhaften Waren- austausch mit England, Frankreich und Italien. Die dortige Juden- gemeinde war die älteste Deutschlands. Das Kölner Schreins- buch aus der Zeit von 11751191 berichtet uns, daß ein Gold- schmied namens Hermann vom Juden Gottschalk aus Frankfurt die Hälfte von dessen Haus in Köln erworben habe¹). Dieser war demnach nach Frankfurt gezogen, vielleicht weil er hier auf leich- tere Weise seinen Unterhalt zu finden hoffte. Und daß die Ver- bindung zwischen den Juden beider Städte auch noch für die Folge- zeit nicht unterbrochen war, das beweisen andere Stellen des Schreinsbuches).

Eine dritte Erwähnung von Frankfurter Juden haben wir aus dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts. Sie bezieht sich auf ein sonst nicht bekanntes Ereignis. Wir hören von einer Einkerkerung mehrerer Juden in Frankfurt. Auf die Kunde hiervon begab sich Rabbi Elieser b. Joel-ha-Levi dorthin, und es gelang ihm, die Ge- fangenen durch ein Lösegeld zu befreien).

Daß um diese Zeit oder nicht viel später die Frankfurter- dische Gemeinde nicht so unbedeutend an Zahl der Mitglieder ge- wesen ist, beweist am besten die Tatsache, daß einer der hervor- ragendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters damals in ihrer Mitte weilte, Rabbi Simon mit dem Beinamen Hadarschan(der Prediger). Er ist der Verfasser des Jalkut, einer Sammlung der im Talmud und in den Midraschen sich findenden agadischen Deu- tungen der Heiligen Schrift. Auch Sagen, Parabeln, Legenden und Sprüche, die sich an das Schriftwort anlehnen, sind zur Belehrung und zur Erbauung der Leser aufgenommen. Zum Abfassen eines Werkes von solchem Umfange aus mehr als 50 Werken hatte Simon gesammelt und geschöpft gehörten viele Jahre unge- störter Ruhe; diese waren wohl Simon in Frankfurt vergönnt,

¹) Hoeniger, Kölner Schreinsurkunden des zwölften Jahrhunderts Band I S. 258 Nr. 7, in Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde. Aronius, Re- gesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche S. 149 Nr. 332.

2) Hoeniger und Stern, Judenschreinsbuch S. 15 Nr. 78 und 79; Aronius J. c. S. 300 Nr. 720 aus den Jahren 1262 1266, und Hoeniger und Stern Nr. 136 und 137 aus den Jahren 1275 1279.

³) S. Groß, Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 34. Band S. 373. Nach einer Notiz von Carmoly soll Rabbi Elieser b. Joel Freitag den 5. Nisar 984(1224) in Frankfurt gestorben sein(Horovitz, Frankfurter Rabbinen Band I, Vor- bemerkungen S. IV).