Der allgemeine Unterschied des römischen Laut- gesetzes von dem der übrigen Sanscritasprachen.
ERSTES CAPITELL
Die Diphthongisirung.
Betrachtet man im Allgemeinen die römische Lautlehre gegen die der übrigen Sprachen des gemeinsamen Sanscritastammes, so sind es vorziglich einige Gesetze, welche den wesentlichen Unterschied derselben begründen, und der Sprache einen so eigenthümlichen Charakter, ein so festes Gepräge geben, dass formell hierin grade das Hinausgehen über die blos dialectische Verschiedenheit zu suchen ist. Diese Grundprincipien der römischen Phonetik lassen sich wesentlich in folgende Punkte zusammenfassen: 1) die Abneigung des Röm. gegen Diphthonge,
2) der Mangel der Aspiration,
3) die Beschränkung Consonantischer Verbindung im An- und Inlaute,
4) der gegenseitige Einfluss des Consonantismus und des Vocalismus, und
endlich 5) die Schwächung des Auslautes, dem Consonantismus, wie dem Voca- lismus nach. lIch habe immer als die Hauptaufgabe der vergleichenden Grammatik, die
Hervorhebung der organischen Unterschiede, und die Entwickelung der charakteristi- schen Principien der einzelnen Sprachen bei gleicher Unterlage betrachtet, weil nur so der Reichthum und die ganze Fülle des menschlichen Gedankens in diesem Ge- biete zur Anschauung kömmt; ich muss desshalb entschieden gegen das Streben einiger wirren Köpfe ankämpfen, die materielle Gleichheit des Lautes zur Basis einer rein mechanischen Ableitung einer Sprache aus der anderen zu machen; denn wie dies einerseits jeder historischen Grundlage widersteitet, und zumeist auf Unkennt- niss der verglichenen Sprachen beruht, so bewährt es anderseits die Gedankenlosig- keit, das was in dem einzelnen Volke frisches jugendliches Keimen, wenn auch aus


