Von den Ehemännern ſind dem Berufe nach 32 Lehrer(alſo mehr als 33%), 14 Kaufleute, 12 Studienräte, Ärzte, Ingenieure u. dgl., 12 mittlere Beamten, 2 Künſtler, 2 Handwerker; von 20 konnten wir die Berufsart nicht ermitteln.
In Trauer gedenken wir endlich auch derer, die ſchon in der Blüte der Jahre von dem unerbittlichen ſchwarzen Fürſt der Schatten aus den Reihen ihrer Schweſtern geriſſen worden ſind; ihre Zahl beträgt bereits 17, d. h. 3,5%. Von ihnen ſtarben 9 an der verheeerenden Volksſeuche, an Tuberkuloſe, 5 an Grippe, 1 an den Folgen einer Krankheit, die ſie ſich bei der Rettung eines Kindes aus der Gefahr des Ertrinkens mitten im Winter zugezogen hatte. Leider endeten auch 2 durch Selbſtmord; es waren 2 Unglückliche, denen das Leben von der Wiege bis zum gewaltſamen Tode viele Entbehrungen und Enttäuſchungen ge⸗ bracht hatte, und die wohl aus Äberdruß aus dieſem für ſie freudloſen Leben freiwillig geſchieden ſind. Den teuren Toten allen werden wir ein treues Gedenken bewahren.
**
Das Seminar hat ſeit Oſtern 1922 die Aufbauſchule für Mädchen als Adoptivtochter zur Ausbildung und Erziehung übernommen. Nach mancher Seite gleicht ihr Los dem unſeres Seminars, das ſich auch erſt ſeine Anerkennung erkämpfen und den Beweis ſeiner Daſeinsberechtigung erbringen mußte. Auch ſie baut ſich auf die Volksſchule auf, der faſt alle Schüler(94,5%) ihre Vorbildung zu verdanken haben, aus höheren Schulen ſtammen 5,5%. In Bezug auf den Beruf der Eltern ſind allerdings ſtarke Verſchiebungen gegen die Tabellen 4l und 5 eingetreten; an den Aufbauſchulen für Knaben ſtellen die Lehrer nur noch 3,8%, die Landwirte 27%, die Handwerker bezw. Arbeiter und Geſchäfts⸗ leute dagegen 41% und die Beamten 28,2%, an unſerer Anſtalt: Lehrer 5,5%, Landwirte 2,5%, Handwerker und Geſchäftsleute 53%, Beamte 39%. Trotz wirtſchaftlicher Vorteile durch das Internat ſcheinen die Lehrer nach dieſer Zuſammenſtellung der Aufbauſchule kein ſtarkes Vertrauen und keine warme Sympathie entgegenzu⸗ bringen, da auch dieſe Anſtalt ganz ähnlich wie die Vorſeminare ihnen vielleicht einen etwas exkluſiven Charakter zu haben ſcheint. Sympto⸗
matiſch dagegen iſt das ſtarke Anſchwellen des Prozentſatzes der aus den Kreiſen der Handwerker und Geſchäftsleute ſtammenden Kinder, deren wirtſchaftliche Lage gerade heutzutage ungemein ſchwierig iſt.
Bei den Beratungen über die Ausgeſtaltung der Aufbauſchule wurden ſchon Bedenken laut wegen der allzu ſchnellen Entſcheidung über die Or⸗ ganiſation dieſer neuen Schulart. Es wurde mit Recht betont, daß die Sache noch nicht ganz ſpruchreif ſei, da man bei dem ſtarken Zentraliſa⸗ tionsbeſtreben des neuen Reichs auch auf dem Gebiete des Schulweſens erſt die Entſcheidung der größeren Staaten abwarten möge. Dieſe Zentra⸗ liſations⸗ und Gleichmachereibeſtrebungen ſind jedoch auf keinem Gebiet des Kulturlebens bedenklicher und unheilvoller als auf dem der Schule, deren individueller Entwicklung und Ausgeſtaltung damit in den Einzel⸗ ländern ſtarke und unerträgliche Feſſeln angelegt werden. Da ſie aber nun einmal vorhanden ſind, ſo ſollte man auch mit ihnen rechnen.
Wenn die überwiegende Zahl der Schüler ſich dem Beruf des Volks⸗ ſchullehrers widmete, dann wäre der frühere heſſiſche Lehrplan mit einer Fremdſprache als Pflichtfach und einer weiteren als Wahlfach für die
37


